Kürzlich flatterte frohe Kunde ins Haus. In einem an mich persönlich adressierten Schreiben war von einem sogenannten „Gewinnfall“ die Rede, und für diesen anscheinend fast schon eingetretenen Fall, dass ich 250.000 Euro gewonnen hätte, hatte man sogar schon eine entsetzlich schludrig layoutete Anzeige für die Presse vorbereitet. Sollte ich also gerne in der Zeitung lesen wollen, dass Frau S. aus W. sprachlos und staunend davon in Kenntnis gesetzt worden sei, sagenhafte 250.000 Euro gewonnen zu haben, dann möge ich doch bitte unbedingt und schnellstmöglich die im Schreiben angegebene völlig kostenfreie Telefonnummer wählen. Gute Menschen, die einem sowas in Aussicht stellen, zumal, wenn man gar nicht weiß, warum!
Leider habe ich den Schrieb schon ins Altpapier entsorgt, man hätte ihn wirklich einscannen müssen! Das war so haarsträubend schlecht gemacht. Normalerweise hätte das Ganze auch nicht den Weg hierhin gefunden, wenn es mich nicht in den Fingern gejuckt hätte, da mal nachzuhaken.
Die Firma, die derlei Briefe verschickt, ist auch der Verbraucherzentrale schon bestens als in Hamburg ansässiges Abzockunternehmen bekannt. Nach kurzer Recherche fand ich die Kontaktdaten im Netz und schickte eine eMail an info@abo-international.de und in Kopie an die Verbraucherzentrale Hamburg
Betreff: Gewinnfall z.Hd. Frau Hannelore Jansen
Sehr geehrte Frau Jansen,
ich möchte mich herzlich für die unglaubliche Mühe und Freundlichkeit bedanken, mit der Sie mir den möglichen Gewinn von 250.000 Euro ankündigen. Leider habe ich keinen Bedarf.
Bitte teilen Sie mir doch mit, wie Sie an meine Kontakt – und Adressdaten gelangt sind und unterlassen Sie dringend Hinweise auf von Ihnen bereits layoutete Anzeigen in Tageszeitungen, die auf Freigabe warten!
Ich wünsche keinerlei weitere postalische oder telefonische Belästigung.
Merkwürdigerweise antwortete mir eine Frau Stemmler aus der Kundenbetreuung:
Sehr geehrte Frau S und Frau Jansen,
wir beziehen uns auf Ihre Nachricht.
Um Ihre Daten in unserem System sperren zu lassen, benötigen wir Ihre vollständige Anschrift. Sobald uns diese Angaben vorliegen, werden wir die Sperrung durchführen und gleichzeitig prüfen lassen woher Ihre Adressdaten stammen. Wir werden Ihnen dann umgehend das Ergebnis nitteilen.
Aha – soso – aber wieso auch an Frau Jansen?
Sehr geehrte Frau Stemmler,
haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich sicherlich meine vollständigen Adressdaten keinesfalls Ihrer Unternehmensgruppe mitteilen werde, zumal diese erstaunlicherweise bereits im Besitz derselben ist.
Sie werden aber doch wissen, wem Sie die 250.000 Euro plus Anzeige in der Tageszeitung zukommen lassen wollten? Da wird es doch bestimmt nur einen ganz ausgesucht feinen und kleinen Verteiler geben können, denn es war doch schon alles vorbeitet! Insofern sollte es doch möglich sein, mich mit der Angabe meines Namens und des Wohnortes ausfindig zu machen und mir mitzuteilen, auf welchem Wege ich in den erlauchten Kreis des Verteilers gelangt bin.
Grüße auch an Frau Jansen, die namentliche Unterzeichnerin des Gewinnfall-Schreibens
Nun antwortete eine unbekannte dritte Person, nämlich Frau Anette Hess, Leiterin Kundenbetreuung:
Sehr geehrte Frau, (da stand wirklich nur Frau, nichts dahinter)
wir beziehen uns auf Ihre erneute Nachricht.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir ohne Angabe Ihrer vollständigen Anschrift Ihre Daten nicht löschen können.
Sollten Sie ernsthaft an einer Löschung Ihrer Daten interessiert sein, sehen wir der Übermittlung Ihrer vollständigen Anschrift entgegen.
Eine Kopie des Vorganges haben wir den Datenschutzbeauftragten der Hansestadt Hamburg zur Verfügung gestellt.
Mit freundlichen Grüßen
Damit habe ich es dann gut sein lassen, aber lustig war es schon. Übrigens ist es wohl so, dass dort Zeitschriftenabos verkauft werden sollen. Angenommen, eine etwas naive Person, stellen wir uns mal eine gutgläubige ältere Dame vor, übersieht den kleingedruckten Gewinnfall und geht davon aus, dass sie gewonnen hat. Man könnte das Schreiben durchaus leicht missverstehen, denn ganz groß ist von einem Gewinn die Rede, es sei schon alles vorbereitet, man müsse nur noch anrufen, etc.pp.
Ruft die Dame also an, muss sie nur noch eine Zeitschrift abonnieren
Es geht gar das Gerücht, dass die angeblich kostenfreie Rufnummer nach Weiterleitung gebührenpflichtig sei. Aber ich will ja nichts Übles nachreden.
Schade, dass die Frau Jansen sich gar nicht gemeldet hat. Das war die, die doch schon mal den Text für die Presse vorbereitet hatte;-)