…Fisch schwimmt…

Wir Läufer/innen kennen ja wohl alle den Ausspruch aus dem Munde Emil Zatopeks, der zum geflügelten Wort wurde und in nahezu jeder Einleitung jedweden Laufbuchs als Zitat herhalten muss: „Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft.“

So gesehen war ich heute als ein Zwitterwesen unterwegs, eine seltsame Mischung aus Fisch und Mensch.

Der seit dem frühen Morgen sich beständig intensivierende Regen ließ auch beim wiederholten Klick auf Wetter.com nicht nach. Es sollte im Laufe des Tages nicht besser werden, morgens, mittags, abends – egal wann ich starten würde, die Nässe war garantiert. Im Trockenen auf dem Laufband zu trainieren zog ich diesmal gar nicht erst in Erwägung – schließlich wollte ich den Teufel nicht mit Beelzebub austreiben. Die tödliche Langeweile auf dem Band schreckte mich noch mehr als die Regenfront.

Der I-Pod wurde in Frischhaltefolie verpackt und los ging’s. Zuerst empfand ich den Regen gar nicht als schlimm, ich lief recht beschwingt los und überlegte mir unterwegs die Route. Asphalt sollte es sein, ich kann nicht weiterhin überwiegend auf Waldboden laufen, sonst rächt sich das auf dem Duisburger Pflaster beim Marathon bitter. Nach 5 Kilometern frischte der Wind auf und nun begann es unangenehm zu werden: Nässe und Kälte breiteten sich aus. Die Kappe hielt nicht länger dicht, durch meine Schuhe drang das Wasser in die Socken vor, die Lauftight klebte klatschnass an Beinen und Hintern. Eigentlich war es gar nicht so kalt, aber furchtbar ungemütlich in Verbindung mit Wind und Regen. Ich kreiselte mir Kilometer um Kilometer und diverse Höhenmeter zusammen, bis ich das Wäldchen am höchsten Punkt, dem Toelleturm erreicht hatte. Der I-Pod dudelte irgendeine merkwürdige Titelzusammenstellung von A bis Z, und bei D gab’s natürlich reichlich Material von Depeche Mode, was, man lese und staune, meine Laune noch verschlechterte, weil mir so gar nicht danach war. Ich wollte aber nicht durch die Frischhaltefolie grabschen – übrigens hätte ich es auch gar nicht mehr gekonnt, da meine feinmotorischen Fähigkeiten speziell der Hände und Finger infolge der Kälte stark nachgelassen hatten.
10 km und immer noch kein Ende der Berieselung von oben und mit Depeche Mode. Aber jetzt war immerhin die Hälfte geschafft, ich konnte mich auf den Rückweg begeben. Das schlimmste lag hinter mir, so redete ich mir gut zu, pudelnass und durchgefroren wie ich war. Mit den Jungs von „Fettes Brot“ kam endlich etwas Stimmung auf, die nächsten Kilometer fielen mir einigermaßen leicht. Beim Friedenshain angelangt musste ich noch zwei Parkrunden drehen, da mir sonst ein Kilometer gefehlt hätte – aber dann ging’s wirklich auf den Heimweg, und nur noch sanft bergab.
Als ich nach 20 Kilometern und 2 Stunden, vier Minuten wieder zuhause angelangt war, hätte ich mir keinen weiteren Meter mehr, geschweige denn einen Marathon vorstellen können. Ich patschte und platschte, dicke Pfützen hinterlassend durch’s Treppenhaus und hoffte, keinem Nachbarn in diesem desolaten Zustand zu begegnen. An der Wohnungstür brauchte ich mehrere Minuten, um mit klammen Fingern die Doppelknoten in der Schuhschnürung zu lösen. David lachte mich tropfende Jammergestalt ordentlich aus und unter der heißen Dusche hatte ich Gelegenheit, darüber nachzudenken, bei solchem Wetter den Marathon ganz bestimmt zu schwänzen.
Zatopek war ein kluger Mensch – das Schwimmen sollte man wirklich den Fischen überlassen.

11.2.07 14:35

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The Torture never stops…

…kleine Titelanleihe bei Frank Zappa

Das Album Zoot Allures hat mich vor vielen Jahren schwer beeindruckt, und obwohl das Stück überhaupt nicht wirklich in meinen Ohren klang, lief es in meinem Kopf mit.
Der I-Pod spielte ganz andere Musik in der eigens dafür zusammengestellten buntgemischten Playlist namens 2,5 Std.

Es nützte ja alles nicht, er musste sein, der erste wirklich längere Lauf deutlich über 2 Stunden. Das Wetter, mild, sonnig aber sehr windig, gab keinen Anlass zur Klage – also wann, wenn nicht gestern? Zumal ich dann schon für den heutigen Sonntag „vorgearbeitet“ hätte!

Ich startete mit Bronski Beat – „Why“ (Full Version), damit ich mir die „Warum der Scheiß“ Frage schon ganz zu Anfang stellen konnte. Diverse Smashing Pumpkins Stücke, gemischt mit ollen 80er Kamellen als da wären Duran Duran, Fleetwood Mac, Kate Bush, aufgelockert durch Marilyn Manson trieben mich bis zum Radweg an der L 74.
Eigentlich ging es mir gut, abgesehen von einer latent spürbaren linken Körperhälfte. Rechts war alles normal, links zog es in der Kniekehle, also in der Sehne hoch zur Hüfte und runter bis zur Wade. Sehr unangenehm und beängstigend – sollte ich mir wirklich für den Marathon die Gesundheit durch die blöden langen Läufe ruinieren?
Bevor sich diese Zweifel festfressen konnten, ließ das unangenehme Gefühl nach. Ich spulte noch einen Kilometer auf dem Radweg Richtung Müngsten ab und drehte dann um, wohl wissend, dass der Spaß jetzt erst richtig begann. Dies war bis Kilometer 18 ein Lauf mit Gefälle und flachen Passagen gewesen, mal abgesehen von den allersten zwei Kilometern bergauf. 16 relativ lockere Kilometer also auf jeden Fall, ich lag gut unter 6er Schnitt, hatte die flachen Kilometer in durchschnittlich 5:40 min absolviert.

Nun aber musste ich durchs Burgholz, am Burgholzbach entlang erstmal einen Kilomter hoch, dann in Serpentinen bis zur Trasse nochmal 2 Kilometer Steigung. Das tut dann schon weh mit über 20 Kilometern in den Beinen, und hier übernahm dann auch Frank Zappa, obwohl mir eigentlich Crazytown mit ihrem Hit „Butterfly“ in den Ohren lagen, gefolgt von Soft Cells „Sex Dwarf“ und „Chips on my shoulder“. Parallel hörte ich also tief in mir drin „The Torture never stops“, als ich mühsam bergan lief.
Auf der Trasse angelangt konnte ich mich 500 Meter bei leichtem Gefälle erholen, bevor noch ein Auf und Ab durch die Obere Rutenbeck begann.
Die letzten 2,5 Kilometer runter waren wunderschön! Das Gefühl, es gleich wirklich geschafft zu haben, endlich 25 Kilometer von der To Do Liste abhaken zu können, dabei noch „Let the Sunshine in“ (Hair) zu hören – es war überwältigend.
Garmin Trainingscenter sagt 25 km in 2:34:54, Sport Tracks errechnet sogar 26,2 km – ich denk, es waren gut 25 Kilometer und ich bin heute so froh, nur noch ein kleines Läufchen machen zu müssen.

Damit werde ich in der 2. Woche Marathonvorbereitung auf ca 53 Wochenkilometer kommen in vier Einheiten.

Die 30er werde ich auf dieser Strecke aber nicht laufen, das wäre Mord. Da lasse ich mich aus dem Tal oder von sonstwo abholen…nicht alles wieder ‘rauflaufen, Gnade werter Herr Chauffeur!

18.2.07 12:31

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AusgeJOYCEd und VorgeRUNt

Ich kann doch nicht aus meiner sparsamen Haut. Gestern lief der Probevertrag im Joyce-Fitness-Studio aus, und ich habe meine Kündigung eingereicht.
Wie sagt man so schön – mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits tut es mir echt Leid, andererseits hätte ich mich sonst den ganzen Sommer über doch arg geknebelt gefühlt.
Gerade während des intensiven Lauftrainings in der Marathonvorbereitung, das sich ja zum Herbst hin wegen Berlin wiederholen wird, ist die Zeit zu knapp, um die Leistungen des Joyce wirklich nutzen zu können. Ich habe im Probemonat den Luxus gehabt, dass Stefan nach einer kleinen OP krankgeschrieben war und ich auch mal tagsüber laufen bzw. trainieren konnte. Trotzdem geriet ich manchmal schwer in Zeitdruck – ich habe mich so nebenher ja auch noch um eine fünfköpfige Familie zu kümmern und zwei Samstage im Monat sind wegen Dienst in der Buchhandlung ja auch schon verplant.
Kurz und gut: Es hätte mir mehr Bauchschmerzen bereitet, im nächsten Jahr Monat für Monat 67 Euro (incl. Getränke-Abo) für einen Bruchteil der Leistungen, die ich theoretisch wahrnehmen könnte, abzudrücken, als jetzt einen Schnitt zu machen und zu sagen, adé, schön war’s, aber das war’s.

Ich möchte aber trotzdem das Krafttraining und die Möglichkeit, auch mal ein Laufband zu nutzen, nicht missen. Also werde ich mir demnächst das MacFit doch mal näher anschauen. Für den geringen Beitrag ist es dann auch nicht so schlimm, wenn ich nur ein – bis zweimal wöchentlich dort erscheinen kann, und in Ermangelung von Kursen, Sauna und sonstigem luxuriösem Ambiente ist das Training dort ja auch viel schneller beendet und ich zahle nur für das, was ich auch wirklich nutzen kann.

Solche Dinge zu bedenken, abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, dafür sind die langen Läufe ja unschlagbar gut geeignet. Freitag, den letzten Tag von Stefans Krankschreibung nutzte ich schamlos aus, indem ich den langen Lauf vorverlegte. Auch in Anbetracht der Wetteraussichten war das eine gute Sache: 27 km in 2:43:34 h bei frühlingshaften Temperaturen im Sack und das Wochenende fast lauffrei! Gestern Ruhetag, weil ich in der Buchhandlung Dienst tat, und heute laufe ich nur noch eine Standardrunde von maximal 12 Kilometern! Sehr entspannend irgendwie.

Nächsten Samstag findet dann auch schon der 2. Lauf der Winterlaufserie über 15 km statt. Also werde ich nach so viel Fleißkilometern eine, abgesehen vom Wettkampf, ruhige Laufwoche daraus machen, in die kein langer Lauf eingebaut wird.

Das ist also der Stand der Dinge nach Abschluss der 3 Woche Marathonvorbereitung. Only 9 weeks to go…

25.2.07 11:18

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