Tannöd – Platz 1 auf der Spiegel-Bestsellerliste

Andrea Maria Schenkel – Tannöd

Was Frau Heidenreich empfiehlt, landet oft auf der Bestsellerliste, so auch dieser Titel. Zuvor hatte er jedoch schon den deutschen Krimipreis gewonnen. Einen richtigen Schub in Sachen Verkaufszahlen erhielt er aber durch Elke Heidenreichs Besprechung. Die Frau ist ein Segen für den deutschen Buchhandel, aber allmählich nehmen die Lobpreisungen doch etwas inflationäre Ausmaße an.

Tannöd ist ein schmales, sehr schmales kartoniertes Büchlein, das 12,95 Euro kostet, schnell ausgelesen ist (ich habe es während meiner halbstündigen Pause geschafft, allerdings einiges „quergelesen“) und einen realen Mordfall aufgreift.

Ich konnte mir sofort den dazugehörigen Film vorstellen – es gibt bereits ein Hörbuch, gelesen von Monica Bleibtreu. Genausogut wäre Frau Bleibtreu in der Rolle der alten Bäuerin besetzt, und auch für die anderen Figuren hätte ich Ideen.

Der Film könnte richtig gut werden – das Buch hat mich jedoch nicht sonderlich berührt. Ich fand es aber auch nicht grottenschlecht, und vielleicht hätte es mehr wirken können, wenn ich nicht so durch den Text geflogen wäre. Mit ein bisschen Muße hätte sich die düstere, miefige und bigotte Dorfstimmung besser ausbreiten können.
Jedenfalls hatte ich sofort das Gefühl, ein Drehbuch in der Hand zu halten – ich bin gespannt, ob der Stoff tatsächlich einmal verfilmt wird.

22.5.07 10:47

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Der neue Marquardt

Warum Laufen erfolgreich macht und Grünkernbratlinge nicht

Allmählich muss Herr Dr. Marquardt den Vergleich mit Ihro Gnaden von Strunz nicht mehr fürchten – er schwimmt schon auf ähnlichem Niveau mit.
Mit der Laufbibel hat er mich ja durchaus noch für sich einnehmen können.

Aber im Ansatz gab es auch in der „Bibel“ schon gewisse störende Formulierungen. In Relation zur Fülle der Informationen fand ich dies jedoch verzeihlich.

Im neuen Werk erfolgt nun aber ein furchtbar anbiedernder und mit Psychotipps gespickter Frontalangriff auf die gemeine Sofakartoffel. In „Falsch-Richtig“ Manier weist Dr. Marquardt den Weg zu einem besseren Leben.
Ja, wenn es mal immer so einfach wäre… Laufen als Patentrezept für alle Schieflagen des Lebens zu verkaufen halte ich grundsätzlich für unseriös. Um den Ansporn für die mittelalte, leicht moppelige Zielgruppenfrau noch zu intensivieren, wird mit vielen bunten Werbebildern gearbeitet, auf denen ein durchtrainiertes, aber immerhin nicht blutjunges Model (möglicherweise sogar eine „echte“ Sportlerin) zeigt wie’s sein könnte, wenn man denn den ersten Schritt täte.

Selbstverständlich wird auch ausgiebig für Marquardts „Natural Running“ und die „Laufbibel“ geworben.

Ich werde dies Buch wohl nicht empfehlen. Alllerdings geht der Trend auf dem Sachbuchmarkt sowieso in Richtung „Bilderbuch“, weswegen auch Rowohlts Anfänger-Laufbuch in Zusammenarbeit mit Runner’s World nicht punkten kann.

Dabei hatte Rowohlt früher wirklich gute Titel im Programm, ebenso wie der Meyer & Meyer Sportverlag.
Auch da ist alles neu aufgepeppt, der Einsteiger-Titel ist dieser hier:

Jeff Galloway sagt mir natürlich was, aber eigentlich nur in Zusammenhang mit älteren Veröffentlichungen. Das macht man bei Meyer & Meyer aber gern, alte Ladenhüter leicht überarbeiten, neues Layout und als neu auf den Markt werfen.
Ich habe mir das Buch aber noch nicht angeschaut, falls es jemand kennt, würde ich mich über einen diesbezüglichen Kommentar freuen.

20.5.07 08:54

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Evil – Das Böse

„Evil – Das Böse“ wurde für den Jugendliteraturpreis 2006 in der Kategorie Jugendbuch nominiert.

Dieses Jugendbuch hat mich getroffen wie ein perfekt platzierter Faustschlag. Nach zwei Seiten war ich für Stunden k.o. – unfähig, zu verdrängen, was ich soeben gelesen hatte.
Aufgeschlagen hatte ich das Buch während meiner Arbeitszeit, nachdem es mir in der Jugendbuchabteilung aufgefallen war. In einer ruhigen Minute hatte ich nur mal „reinlesen“ wollen, nicht ahnend, in welche Abgründe mich bereits das erste Kapitel führen würde.
Als ich den Roman aus der Hand legte, blieb Erik, die jugendliche Hauptfigur, für mich in seiner persönlichen Hölle gefangen. Wie unter einem Zwang kaufte ich das Buch, traute mich aber fast eine Woche lang nicht, weiterzulesen. Einerseits wollte ich unbedingt wissen, wie es ausging, wollte Erik begleiten auf seinem Weg – andererseits hatte ich Angst vor dem, was noch geschehen würde. Fast wie im richtigen Leben – lieber die Augen verschließen, nicht hinschauen, die Gewalt ausblenden, verschont bleiben, nichts mitbekommen.
Als ich mich dann endlich darauf einließ, war der Sog immer noch da – ich versuchte, aber innerlich so weit Abstand zu wahren, wie es nötig war, um bis zum Schluss durchzuhalten.

Ich will den Inhalt nur ganz kurz umreißen, denn keine Kurzbeschreibung kann diesem Buch gerecht werden. Erik ist seit frühester Kindheit einem sadistischen, gewalttätigen und völlig durchgeknallten Vater ausgeliefert. Die Mutter hört nichts, sieht nichts, tut nichts dagegen, der jüngere Bruder bleibt unbehelligt, weil einzig Erik seinem Vater als „Lust“objekt dient. Schlagen, Schmerzen zufügen, Erniedrigen – das ist das, was dem Vater Freude bereitet.
Erik studiert das Verhalten seines Vaters, wird Meister im Ertragen, später auch im Zufügen von Schmerzen. Denn auch im außerfamiliären Bereich gibt es für ihn keine gewaltfreie Zone. Als Jugendlicher wird er der Schule verwiesen und erfährt zum ersten Mal in seinem Leben Unterstützung durch die Mutter, die es arrangiert, dass ihre Ersparnisse ihm die Aufnahme in ein Internat ermöglichen.
Erik, der eine Befreiung darin sieht, ein Geschenk und die Chance, Jahre ohne Gewalt zu verbringen, erkennt schnell, dass dies ein Trugschluss war und dass er, um seinen Schulabschluss zu machen, das interne „totalitäre“ Schülerregime erdulden muss.
Die Art und Weise, wie es ihm gelingt, die Schuljahre zu überstehen, seine Intelligenz, seine Charakterstärke ist faszinierend und beängstigend zugleich.

Ein herausragendes Buch, auch und ganz besonders für erwachsene Leser/innen.

Nachtrag Dem Blog sei Dank bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Roman verfilmt wurde. Es gab dafür sogar eine Oscar-Nominierung und in Schweden muss der Film auch ein Publikumserfolg gewesen sein.
Im Buch findet sich ein Hinweis dazu, den ich aber nicht wahrgenommen habe, weil ich sofort und ohne große Recherche in die Geschichte eingestiegen bin. Auch, dass der Roman autobiographische Elemente enthält, hat mir erst ein Blogleser mitteilen müssen!
Gestern habe ich mir den Film angeschaut.

Wie häufig, wenn man eine bestimmte Erwartungshaltung nach der Lektüre des Buches hat, war ich ein wenig enttäuscht. Trotzdem lohnt es sich, vor allem, weil die Darsteller überzeugen können.

13.5.07 08:24

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