Das nasskalte Wetter lockte heute überhaupt nicht, aber am zweiten Weihnachtstag keine Runde zu drehen, hätte nur zu schlechter Laune und Frustfraß geführt.

Also raffte ich mich nach dem üblichen Herumgehadere auf und nahm den Bus hoch nach Cronenberg, von wo aus ich mir die Sambatrasse gönnen wollte, schön flach und anspruchslos, zu mehr hatte ich keine Lust. 

Allerdings musste ich diesen Plan verwerfen, denn die Trasse begann sich an diesem höchsten Punkt  soeben in eine Eisbahn zu verwandeln. Der ganz leichte Nieselregen überfror auf dem kalten Boden, obwohl die Temperatur mir gar nicht so frostig erschien, wie z.B. gestern und die Tage davor. Ich schlitterte am äußersten Rand der Trasse, wo noch ein paar Blätter das Ausrutschen verhinderten, bis ins Dorf und beschloss spontan, auf den ersten Teil der “Rund um Wuppertal“ Strecke Nr. 5  durchs Burgholz umzudisponieren.

Das war eine gute Entscheidung, herrlich menschenleer alles, Nebel wallten, Bächlein rauschten, ein wenig still und starr ruhte der See sogar schon, wenn auch längst noch nicht zugefroren…aber kein weihnachtlich glänzender Wald, sondern grau in grau und trotzdem wunderschön.

Nach sieben Kilometern kreuzte ich wieder die Trasse, aber hier in diesen tieferen Gefilden bestand nun keine Glatteisgefahr mehr. Deshalb lief ich ein kleines Stück auf der Trasse, inmitten von Weihnachtsspaziergängern. Wo kamen die denn plötzlich alle her? – eben noch die Einsamkeit der Langstreckenläuferin, nun der reinste Slalom-Parcours.

An der nächstmöglichen Stelle schlug ich mich also bergan in den Wald und genoss es, wieder allein unterwegs  zu sein. Nach insgesamt 14 Kilometern stand ich in deutlich besserer Stimmung als vor dem Lauf vor der Haustür. Mir kam der Titel einer umstrittenen Schrift von Bernhard Bueb in den Sinn – „Lob der Disziplin“. Obwohl das Buch teilweise unerträglich gewesen war, fand ich manche Thesen Buebs nicht total falsch. Insgesamt ist er meiner Meinung nach aber deutlich über’s Ziel hinausgeschossen.

Wie dem auch sei, ohne Disziplin wäre ich heute mit dem Hintern zuhause geblieben und das wäre sehr schade gewesen.