Ein völlig uneuphorischer Wettkampf war es diesmal für mich – keine besondere Vorfreude, keine Vorstartnervosität, keine Vorbereitung, kein Ehrgeiz.
Heute Morgen überlegte ich sogar, überhaupt nicht zu starten – was sollte es für einen Sinn haben, diesen Wettkampf durchzuziehen, ohne den Hauch einer Chance, in die Nähe des Vorjahresergebnisses laufen zu können? Letztes Jahr hatte ich mich um diese Zeit, Anfang/Mitte März in der Marathonvorbereitung befunden, gestählt durch etliche Wettkämpfe der Winterlaufserie und lange Trainingsläufe in Topform für so einen krummen hügeligen 14 km Lauf.
In diesem Jahr sieht es ganz anders aus – viel weniger Wochenkilometer, kaum Wettkämpfe, gesundheitlich nicht so hundertprozentig fit – ach komm, lass den Lauf doch sausen und eiere einfach im gewohnten lahmen Schlappschritt anderthalb Stunden durch den heimischen Wald, so in etwa lauteten meine morgendlichen Gedankengänge.
Nach längerem Hin und Her fuhren wir dann doch nach Erkrath. Als bescheidenes Ziel hatte ich mir gesetzt, unter 1:15 h zu bleiben – eine 1:10:53 h wie 2007 lag nicht im Bereich des Möglichen – aber 1:20:32 h wie im Eisenmangeljahr 2005 sollte ich doch wohl unterbieten können.
Beim Start fühlte ich mich noch recht locker, lief erstmal so los, als ob ich Kurs auf die 1:10 h nehmen wollte, merkte aber nach 4 Kilometern, dass die Kraft nicht reichen würde, die Kraft nicht, und auch nicht die Motivation. Keinen Bock mehr, am liebsten aufhören – aber 4 km zurücklaufen wäre auch bescheuert. Ich hatte unter 20 min auf der Uhr stehen und rechnete plötzlich so: Selbst, wenn ich jetzt im 6er Schnitt laufe, bleibe ich noch unter 1:20 h. Und wenn ich im 5:30er Schnitt laufe, bleibe ich unter 1:15. Müsste passen. Die Berge kommen erst noch. Windig ist es nicht zu knapp Anstrengend wird’s also trotzdem.
Und es wurde anstrengend! Selten bin ich so saft-und kraftlos an den Hügeln gewesen, da ging nichts mehr. Trotzdem habe ich mich eher vor den Hügeln total mies gefühlt, also von dem Moment an, als ich das Tempo reduzieren musste bis zur Wasserstelle bei km 8. Da habe ich in Ruhe gehend ein paar Schlucke Wasser getrunken, mich dann wieder aufgerafft und mich langsam, aber sicher und relativ gutgelaunt die Berge hochgehievt. Nach 12 Kilometern geht’s dann ja fast nur noch flach oder bergab, da konnte ich wieder gut durchziehen, habe einen Kilometer lang richtig Gas gegeben und dann eine Premiere erlebt: An einer ganz kurzen, gar nicht giftigen klitzekleinen Steigung war der Ofen aus, ich hatte das Gefühl, den Mount Everest zu bezwingen, also unglaublich – nach diesem Spurt, der vorausgegangen war, blieb ich fast stehen an diesem Witz von einem letzten Hügelchen.
Und wie von Geisterhand erholte ich mich sofort, als es wieder bergab ging und ich konnte nochmal richtig Gas geben! Also, das muss ich mir auf dem Forerunner noch genau anschauen, was da passiert ist.
Ins Ziel gekommen bin ich wohl knapp unter 1:15 h, also in der Zeit, die ich für einigermaßen realistisch gehalten hatte. Ich habe nicht richtig gestoppt bzw. zu spät, erst nach dem Startschuss, die Uhr gedrückt und die Ergebnisse sind noch nicht online, daher weiß ich die exakte Zeit noch nicht.
Wir haben uns nach dem obligatorischen Waffelschlemmen und einem kurzen Smalltalk mit Manfred Steffny, der seinen zweijährigen Enkel hütete, schnell verflüchtigt, ohne noch auf Siegerehrung oder Ergebnisliste zu warten. So, wie der Kleine Herrn Steffny auf Trab hielt, bleibt er bestimmt auch als Großvater gut in Form.
Nachtrag: Ergebnisse sind online, und ich brauche mich wirklich nicht zu grämen – die Frauen waren in diesem Jahr so stark bei den W45erinnen, dass ich sogar mit meinem Vorjahresergebnis diesmal nur den 4. Platz gemacht hätte.
Mit 1:14:32 h bin ich 7. von 27 Frauen in der W45 geworden. Insgesamt ist das aber trotzdem eine ziemlich bescheidene, nämlich die drittschlechteste Zeit, verglichen mit den Ergebnissen vergangener Jahre:
1995 1. Teilnahme 1:13:16 h 3. AK W30
1996 2. Teilnahme 1:10:02 h 4. AK W30 (Bestzeit)
1997 3. Teilnahme 1:10:50 h 4. AK W35
1998 4. Teilnahme 0:24:50 h 5 km
5. Frau
1999 5. Teilnahme 1:14:42 3. AK W35
2005 6. Teilnahme 1:20:32 7. AK W40
2007 7. Teilnahme 1:10:53 2. AK W45
2008 8. Teilnahme 1:14:32 7. AK W45
Positiv ausgedrückt wäre es natürlich die fünftbeste Zeit
März 9, 2008 at 9:18
Auch solche Läufe müssen mal sein, schon dass man nicht den Respekt verliert. Wünsche dir, dass es bald wieder aufwärts geht.
Jörg
März 10, 2008 at 7:16
Ich finde es einfach bewundernswert, wie du es schaffst, unter diesen Umständen und vor allem mit fehlender Motivation noch so eine tolle Zeit hinzulegen.
Super gemacht, Manu!!
März 10, 2008 at 7:56
Solche Wettkämpfe kenne ich auch! Umso mehr finde ich es stark, dass Du ihn doch so durchgezogen hast. Wenn die Form/Motivation nicht passt, kommen halt immer so Schwankungen während des Laufes heraus, ein Stück läuft es super, dann möchte man alles hinschmeißen. Alles normal, sach ich mal.
Gute Erholung
Uli
März 10, 2008 at 9:29
Ach manu, Du hast doch im Moment deutlich andere Prioritäten, und dahingehend ist das Ergebnis doch so übel nicht. Alles hat seine Zeit, Deine Laufzeit kommt schon wieder!
März 10, 2008 at 11:35
Wenn Traning in erster Linie aus wenig Laufen besteht, ist man wenigstens gut erholt für einen Wettkampf und schon kommt die 5. beste jemals im Neandertal gelaufene Zeit heraus. Nächstes Jahr hast du noch ein paar Kilometer mehr in den Beinen und dann wird es sicher auch wieder etwas schneller werden.
März 10, 2008 at 12:53
Du hast so viele andere Dinge momentan um die Ohren, da finde ich dein Ergebnis richtig gut. Dein selbst gestecktes Ziel hast du erreicht – und die Konkurrenz war dieses Jar wohl zahlreich vertreten. Beim nächsten Wettkampf sieht die Welt dann anders aus.
Gruß
Ralph
März 10, 2008 at 1:26
Hallo Jörg, Hase, Uli, Kathrin, Nordläufer und Thestral – ich will doch auch gar nicht unzufrieden erscheinen! Das bin ich nämlich gar nicht, nur ist die Stimmungslage bei einem Wettkampf, der von vorneherein nur schlechter werden kann, eher auch etwas ausgebremst, genau wie der Lauf! Und das wirkt sich natürlich auf die Berichterstattung aus.
Ich finde es aber völlig in Ordnung, dass wenig Training eben logischerweise auch wenig Erfolg bringt. Laufen ist nunmal eine Fleißdisziplin, man kann sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen.
Wenn ich wirklich in diesem Jahr noch einen Angriff in Sachen 10 km unternehmen will, muss die Ausdauer stimmen, also wieder Läufe um/über 2 Stunden.
Aber im Moment ist mir das alles nicht so wichtig und mit der fünftbesten jemals im Neandertal gelaufenen Zeit kann ich wunderbar leben;-)
Ich finde es auch mal ganz schön, mich entspannt zurückzulehnen und über die Erfolge anderer zu freuen, besonders über Michis Training (sie hat es wirklich verdient, dass es so rund läuft) und natürlich über Madame Hases Training, das Großes erwarten lässt!
Ganz zu schweigen von Martin, der mal eben eine HM-Bestzeit läuft. Er ist der einzige, der das natürlich gar nicht verdient hat, schon allein deswegen nicht, weil er eigentlich 120 kg wiegen müsste bei den Leckerchen, die er sich immer so reinzieht;-)
März 10, 2008 at 4:31
Immer diese Diskriminierungen. Zuerst schreibst du in meinem Blog was von wegen “ Herren im besten Alter rennen den Frauen nach “ und jetzt behauptest du ich würde keine ausgewogene Ernährung einhalten. Dazu folgendes : Meine besten Jahre kommen noch ! Ich warte schon so lange darauf, die müssen irgendwann ja mal kommen
Meine Ernährung:
Da hat man miese Tage hinter sich, dei denen man kaum Schokolade essen kann (was bitte ist schon eine Tafel für 3 Tage ??), ernährt sich notgedrungen(!) von kohlehydratreicher Nahrung, lässt das ganze Gemüse und Salat weg, und dann bekommt man noch vorgeworfen, man esse zu viele Leckereien !
Ich wollte, als ich sah, dass du mal wieder einen Laufbericht geschrieben hast, schon himmelhochjauchzen, da las ich dann das mit den 120kg.
Ich geh jetzt in die Küche, wo auf dem Herd 1-2 Schnitzel und diverse Beilagen stehen und werde zuerst mal die kleine Zwischenmahlzeit zu mir nehmen, bevor ich mir überlege was ich heute Abend zum ersten Abendessen zu mir nehme. Beim zweiten ,so gegen 22.00 Uhr, esse ich meistens zu einer großen Tasse Kaffee, noch so 4-5 Stück der Prinzenrolle, oder 3 Pack, also 10-15 Stück Butterkekse.
Also fast Diät. Trotzdem nehme ich kein Gramm ab, es ist zum Verzeifeln.
Wenn ich es schaffe werde ich heute Abend mal 2 Bildchen von mir in meinen blog setzen. Einmal als ich noch dünn war und einmal mit meinem Spitzengewicht, nachdem ich mit Bodybuilding aufgehört hatte.
Ansonsten ,auch wenn du soooooo gemein warst, finde ich es toll mal wieder was von Dir zu lesen
März 10, 2008 at 5:03
Hallo Manu,
Glückwunsch zum entspannten Läufchen rund um das Neandertal und zur fünftbesten jemals gelaufenen Zeit. Die Sache mit dem ‘Ofen aus an einer klitzekleinen Steigung’ kommt mir sehr bekannt vor. Na ja, Du hast ja dann doch nach kurzer Erholung das Ziel erreicht.
Gruß
chopper
März 10, 2008 at 6:59
Hmmmm… Schnitzel ..
Ach nee, Manu, deshalb bin ich ja nicht hier. Also ich finde das beeindruckend, dass Du Dich, trotz nicht allzu großer Motivation und wie Du sagst, nicht so vielen km wie im Vorjahr in den Füßen, „aufgerafft“ hast und den Lauf so gut über die Bühne gebracht hast. 7. Frau muss man auch erst mal werden. Ich finde es toll! So.
März 10, 2008 at 9:33
sollte ich mich jetzt in einem Mauseloch verkriechen weil ich zu meinem geplanten Wochenendlauf – im Gegensatz zu dir und trotz reichlich vorhandener Zeit und null anderen Pflichten oder guten Ausreden – nicht angetreten bin? Ich glaub’, im Moment bin ich sogar zu faul, mir ein passendes Mauseloch zu suchen … naja .. müsste eh etwas größer sein … Rattenloch? Karnickelbau? … mindestens Bärenhöhle … *g*
Aber aus der gemütlichen Höhle raus gratuliere ich zu der in meinen Augen verdammt guten Platzierung sehr herzlich!
März 11, 2008 at 7:28
Hi Martin (dankeschön für den Einblick in die Leiden eines hart Diätenden;-), Chopper (sach bloß, der Ofen war bei Dir auch schon mal aus?:-), Michi (THX!!!!) & Lizzy (ich war sooo nah dran, nicht anzutreten, hatte mich mental eigentlich völlig verabschiedet – aber in Löcher verkriechen muss man sich nicht, und auch in keine Bärenhöhle!)
Danke Euch allen für’s Anteilnehmen, dass Ihr überhaupt noch reinklickt, wo’s doch so selten was Neues gibt momentan finde ich schon ganz klasse!
Gruß von
Manu
März 11, 2008 at 7:27
Machen wir doch gerne, du würdest uns doch fehlen.
März 11, 2008 at 10:03
Was das „noch reinklicken obwohl so selten was neues im Blog erscheint“ angeht: es gibt doch RSS-Feeds
Und bitte lass mir meine schöne Bärenhöhle – ich will die doch nicht zum mich-verstecken. Ich verkrümel mich da, weil sie so schön gemütlich ist ;o)
März 11, 2008 at 10:06
So ist es, Martin. Dieser Weblog ist einfach lesenswert und hilft bei allen Läuferfreuden und -leiden weiter.
Was den ‘Ofen aus’ betrifft: Wenn ich meine knappen neunzig Kilo so einen Hügel hochwuchte, dann beginnt die Polar gleich an zu nörgeln, dass der Pulswert zu hoch ist. Ich habe mich aber zu wehren gelernt: Der Piepser ist abgestellt und die Polar hält ihre Klappe…
Gruß
chopper
März 11, 2008 at 11:32
Ein schöner, schneller Lauf und Wettkampfkilometer zählen doch immer doppelt und dreifach. Umso mehr, wenn vorher die Motivation leicht unter Durchschnittsniveau war. Also eigentlich alles richtig gemacht – schon alleine dadurch, dass Du angetreten bist
Viele Grüße
Lars
März 14, 2008 at 6:06
Oh, es gibt wieder was bei Manu zu lesen – und sogar einen Laufbericht. Sehr fein, sehr fein! Warte mal ab, wenn Du Deinen Umzug rum hast und scharf darauf bist, die neue Laufumgebung zu erkunden. Dann werden Kilometer um Kilometer geschrubbt.
Interessant finde ich die Martin-Diät, mit der ich innerhalb kürzester Zeit sicherlich 10 kg zunehmen würde.
Anja