Dass ich dieses Buch erst jetzt entdeckt habe! Es ist doch schon Ende 2006 erschienen, allerdings erst seit kurzem auch als Taschenbuch erhältlich.

Jedoch,  2006 wäre aus verschiedenen Gründen nicht das Jahr gewesen für die Geschichte, die in „Gut gegen Nordwind“ erzählt wird. 2007 hätte ich es aber durchaus schon lesen sollen, – andererseits hätte es mir dann nicht während der vergangenen zwei Tage so einen Spaß gemacht. Denn man kann dieses Buch eigentlich nur einmal lesen und sollte nie, niemals mit dem Ende anfangen (pfui, sowas tut man ja eh nicht) oder Rezensionen lesen, die das Ende vorweg nehmen (was ich hier auch auf gar keinen Fall tun werde).

Man muss sich der Geschichte von Anfang an und Seite für Seite nähern und immer tiefer versinken, so wie die beiden Hauptfiguren.

Vorwegnehmen kann ich, dass es eine leichte Lektüre ist, etwas für den Urlaubskoffer, laue Sommernächte, heiße Strand-Nachmittage oder auch für den Balkon und dass es sich auch für verregnete Juli-Abende eignet. Obwohl von einem Mann geschrieben, wage ich zu behaupten, dass es überwiegend Frauen lesen. Es ist aber keiner dieser zotigalbernen grell pink oder sanft rosafarbenen Romane, die bei uns in der Buchhandlung unter „Freche Frauen“ einsortiert werden.

Eigentlich ist es ein ganz altmodischer Briefroman. Natürlich sind es heutzutage Briefe, die über die Mailbox verschickt werden und somit mal nach Monaten, Wochen, Stunden, Minuten oder Sekunden ausgetauscht werden können. Trotzdem kommt zum Glück niemals so etwas wie „Chat-Atmosphäre“ auf, und schon das macht die elektronische Post so charmant und reizvoll. Da unterhalten sich zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, die schreiben können, formulieren können und zunehmend viel zu viel Gefallen daran finden.

Was zufällig und unverbindlich begann, entwickelt eine zwingende Eigendynamik.

(Das Hörbuch ist nämlich nun auch erschienen – reinhören?)  Unbedingt hineinhören! Wunderbar gesprochen von den beiden!

Kann man sich in Worte verlieben? Kann man sich in die Vorstellung von einem Menschen verlieben,  ist es möglich, nur die Vorstellung zu wollen?  Normalerweise kommt ja unweigerlich der Punkt (das weiß wohl jede/r, der sich schon einmal auf so eine „Romanze“ eingelassen hat), an dem ein Treffen ausgemacht wird, an dem man es satt hat, dieses „nicht Fisch, nicht Fleisch, nur Geist“. Aber was, wenn man diesen Punkt verpasst, immer und immer wieder, bis irgendwann die (letzte?) Chance vertan ist?

Mehr will ich gar nicht erzählen. Das Buch „made my evenings“ , bis hin zum allerheftigsten Herzklopfen auf den letzten Seiten - diese Spannung war kaum noch auszuhalten, obwohl es ganz klar war, was passieren würde.  War es klar?