Der Titel von Depeche Mode war für mich Programm beim 42. Frühjahrslauf der Düsseldorfer Turngemeinde 1881 quer durch den schönen Volkspark.
A Pain that I’m used to in mehrfacher Hinsicht. Zum einen, weil ich die Veranstaltung seit 2005 kenne. Damals bin ich eine 53er Zeit gelaufen, über die ich mich freute, weil die Ergebnisse bei 10er Wettkämpfen in den Jahren 2003 und 2004 noch ein, zwei Minuten langsamer ausgefallen waren. Dass ich an hochgradigem Eisenmangel litt, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Mühsam nährte sich das Eichhörnchen, und Zeiten unterhalb der 50er Marke hatten sich mit dem Jahrtausendwechsel anscheinend für immer erledigt.
Das Jahr 2005 brachte etliche Überraschungen mit sich, so die unerfreuliche Diagnose Anämie mit nachfolgender Eisensubstitution und die ebenso überraschende, dafür aber nach erster Schrecksekunde doch freudige Nachricht meiner Frauenärztin: „Sie sind schwanger!“
Ein Jahr später war ich rechtzeitig zum Frühjahrslauf nicht mehr schwanger, sondern joggte als frischgebackene Mutter eines knuffigen 5 Wochen jungen Säuglings die 4,2 Kilometer des Jedermannlaufs mit, sogar in angesichts der Umstände beachtlichen 21:30 min. Aber ich hatte nun auch genug Eisen im Blut und ein 42wöchiges Trainingslager absolviert.
2007 war ja in läuferischer Hinsicht mein großes Jahr mit einem Mammutprogramm, und der Frühjahrslauf musste zugunsten einer ausgefeilten Marathon-Trainingsplanung gestrichen werden.
Aber 2008 war ich wieder dabei, beim Frühjahrslauf ohne Frühling – das Wetter war saumäßig, die Zeit erstaunlich flink mit 48:49 min. Ein gleichmäßiger Lauf ist es gewesen, kontrollierter Schmerz sozusagen.
A Pain that I’m used to also auch 2009 im Düsseldorfer Volksgarten. Und das nachfolgende Zitat aus dem Song beschreibt bestens meine derzeitige läuferische Ambition.
I’m not sure
What I’m looking for anymore
I just know
That I’m harder to console
I don’t see who I’m trying to be
Instead of me
But the key
Is a question of control
Depeche Mode written by Martin Gore (c) 2005 Grabbing Hands Music Ltd./EMI Music Publishing Ltd
Nach wie vor laufe ich so vor mich hin und staune auf der einen Seite, dass es weiterhin möglich ist, diese jahrelang fest zugemauerte 50 min Grenze regelmäßig zu knacken. Andererseits gerät dies aber auch mit der Zeit wirklich zu A Pain that I’m used to - d.h. es ist immer der gleiche altvertraute kleine Schmerz diese Zeiten sub 50 zu rennen, Schmerzen, die sich im Rahmen halten, und Zeiten die in Wahrheit nicht viel von mir fordern, jedenfalls kein systematisches Training. Ich laufe das einfach so, und ich bin irgendwie total zufrieden damit und meinen alten Gräten unendlich dankbar für ihre freundliche Unterstützung.
Irgendwie…ja, und irgendwie komme ich in meinem mittlerweile zweiten unambitionierten Sabbatjahr jetzt nach jedem 10er Wettkampf ins Grübeln, ob ich denn nicht doch mal…ihr wisst schon…mehr trainieren und neue Grenzen ausloten soll. Der aufkeimende Ehrgeiz hält dann immer so ein paar Tage an, verliert sich allmählich im Alltagsgejogge und versickert im Nichts.
Ach so, ich bin abgeschweift, hier nun also doch noch der Bericht zum Wettkampf. Wettermäßig gab es nichts zu beklagen, es herrschten Idealbedingungen – kühl, bewölkt und trotzdem ein Hauch von Frühling in der Luft – die goldene Mitte also zwischen den Extremen 2005 und 2008.
Gelaufen wurde wie immer in einer übersichtlichen kleinen Schar ohne Chipgedöns. Ich stellte mich recht mittig auf, wurde aber trotzdem zunächst ausgebremst. Nach ein paar Überholmanövern konnte ich dann aber schnell den vertrauten, nur ganz wenig schmerzhaften Rhythmus finden. Bezeichnend für das absolut trügerische Gefühl der Ausbremsung am Start sind die Zahlen 4:40 min für Km 1 und 4:48 min für Km 2. Der erste Kilometer geriet nur dank gefühlter Ausbremsung nicht zur Katastrophe, denn er war trotzdem der schnellste. Nicht auszudenken, welchen Spurt ich sonst hingelegt hätte. Aber ich pendelte mich dann ja mit weiteren 4:43 min, 4:44 min, 4:49 min hübsch ein und bei der 5 km Zwischenzeit von 23:59 min dachte ich mir, so ein Mist, Du wirst das Tempo nicht ganz halten können, aber wenn Du mal ein bisschen mehr als a pain that you’re used to aushalten könntest, dann könntest Du das Tempo halten und hättest eine 47er Zeit, eine Jahrtausendbestzeit geschafft.
Über derartiges Hadern geschah es dann auch schon, die Bequemlichkeit forderte ihr Recht. Mit 4:51 min und 4:53 min bäumte ich mich bis Km 7 noch halbherzig dagegen auf, gab aber bei Km 8 mit 5:02 min und Km 9 mit 5:04 min klein bei. Das war auch die Phase, in der zwei Frauen, die ich eine Viertelstunde zuvor überholt hatte, mich wieder einsammelten und vorbeizogen. Der Zielspurt bescherte mir auf dem letzten Kilometer noch gnädige 4:52 min und mit der Gesamtzeit von 48:45 min habe ich mich im Vergleich zum letzten Jahr um 4 sec verbessert. Ginge das in den nächsten Jahren so weiter, bräuchte ich nur noch etwa 11 weitere Frühjahrsläufe, um eine 47er Zeit zu laufen.



*smile*
Fotos: J.V. (ich hoffe, ich durfte sie mir leihen)
Okay, schlechter Witz, nächster Witz: Ich schaffe das noch in diesem Jahr, bei irgendeinem Zehner. Ich bin schon mal 47:30 min gelaufen, vor gefühlten 100 Jahren zwar, aber immerhin. Also genau genommen ist auch 47:30 min a pain I was used to…
Dritte in meiner Altersklasse bin ich lt. Ergebnisliste übrigens geworden, die zweite Frau war eine von den beiden, die mich in meiner Schwächephase wieder überholt hatten. Die erste W45erin und zugleich Gesamtsiegerin läuft in einer ganz anderen, unerreichbaren Dimension. Hier ein (auch von J.V. geschossenens) Foto - das nenne ich mal Schrittlänge! Und Hüftstreckung!

Petra Maak -Gesamtsiegerin
April 6, 2009 at 3:13
Na dann jetzt aber mal los! Klar schaffst du es unter 48 Minuten, das ist doch mal sicher. Aber ein bisschen mehr muss es dafuer schon weh tun.
Herzlichen Glueckwunsch zum dritten AK-Platz!
April 6, 2009 at 4:42
Wow liebe MAnu. 3. Der AK, das sit doch was, auch wenn du nicht ganz und gar zufriedne bist. Du weißt ja: Ich finde es total schnell!!!
Laufen im Schmerzbereich ist ja nich so das, was ich kann, von daher finde ich, dass du schon ziemlich kämpfen kannst.
sei lieb gegrüßt!
mandy
April 6, 2009 at 6:52
Mandy hat völlig Recht: das IST total schnell! Find’ ich ja auch.
Und du hast’s ja selber gesagt: im Frühling jucken die Flügel, da will frau es wissen und testen … bei dir sogar erfolgreich ;o)
Herzlichen Glückwunsch zum AK-Dritten!
April 6, 2009 at 7:14
Ihr Lieben,
ich finds ja selbst schnell. Eigentlich warte ich auf den 10er, an dem es nicht mehr klappt, naja, ich lauere nicht darauf, aber könnte mir vorstellen, dass mir sooo viele Jahre mit 48er, 49er Zeiten nicht mehr bleiben. Deswegen wäre ein Knaller wie 47:xx ganz toll, damit ich mich satt und zufrieden aufs Altenteil verziehen kann!
@ Lizzy: Bei Busch habe ich dann doch nicht die für mich passenden Worte gefunden, aber ich habe gestern noch lange im zweibändigen „Gesammelte Werke“ geschmökert. Herrlich!
Die Mail habe ich nicht vergessen, hoffe, ich kann den Faden wieder aufnehmen. Ist immer ein bisschen schwer nach einigen Tagen nochmal einzusteigen, was vor allem am Thema liegt…vorab aber: Ich fand in Deinen Schilderungen so vieles wieder! Und war auch etwas getröstet.;-)
Gruß
Manu
April 6, 2009 at 7:25
Ich hoer immer Altenteil! Da hab ich mich wohl verhoert. Meine Trainingspartnerin ist 47 Jahre alt und hat mich Sonntag Morgen knallhart abgehaengt und sitzen gelassen. Nachdem sie am Samstag 5 km in 20:31 gelaufen ist.
Also bitte, nichts mehr von alt. Die Ausrede gilt nicht.
April 6, 2009 at 7:45
Liebe Kerstin,
ich fühle mich ja auch nur ältlich, noch nicht alt!
Und was die Leistungsfähigkeit mancher „Seniorinnen“ (altersklassenmäßig) betrifft: die Gewinnerin des Laufs (dies Jahr in die W45 gerutscht)absolvierte die Distanz in einer 36er Zeit. Die schnellste W50erin: 42er Zeit. Die schnellste W55erin: 48er Zeit.
Du bist (glaube ich) gerade erst „Seniorin“ geworden und läufst in der W30? das ist so irre, in der W30 habe ich meine ersten Wettkampferfahrungen gesammelt, und dann verging die Zeit im Sauseschritt – W35, W40, W45 – alles mitgelaufen.
Das hätte ich nie gedacht, als ich die ersten Laufschritte tat, dass ich so lange dabei bleibe;-)
Gruß über den Teich
Manu
April 7, 2009 at 4:27
Nee, nee, nee, Manu, da ist auch nix mit ältlich. Sagenhaft was Du so, wie Du sagst ohne Training, laufen kannst. Herzlichen Glückwunsch, man wie schnell und auch noch AK Platzierung, super!! Ich fand die Abschweifung in die Vorjahre schön, gehören sie doch auch ebenso dazu, wie die Gedanken jetzt während des 10ers. Ist schon witzig, was der Kopf sich während eines Laufs so alles überlegt von km zu km.
Ich bin gespannt, ob sich der aufkeimende Ehrgeiz irgendwann doch noch mal für mehr Tage durchsetzen wird
April 7, 2009 at 5:31
Hallo Manu,
Gratulation zu dieser Leistung. Wenn ich die mir bekannte Zeit betrachte, dann würde es mich nicht wundern, wenn bis zum Ende des nächsten Jahres bei einem verträumten 10er eine 45:XX in der Ergebnisliste hinter Deinem Namen auftaucht (Musiktip: Turin Brakes Pain Killer).
Gruß
chopper
April 7, 2009 at 5:50
Schön, diesen zusammenfassenden Rückblick von dir zu lesen, Manu…. und deine Zeit finde ich sowieso gigantisch, Glückwunsch!
April 7, 2009 at 8:33
Herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz in toller Zeit.
. Es gibt ja gerade für 10er 6-Wochen-Pläne und die gehen so schnell vorbei…
Bei dir hat sich die Eisengeschichte demnach einige Jahre hingezogen. Umso erstaunlicher, was du danach ohne Plan laufen kannst.
Hol dir die 47:xx, das bisschen Training
April 8, 2009 at 11:28
Herzlichen Glückwunsch zum Treppchenplatz in Deiner AK!
!
Und das mit dem Altenteil glaube ich Dir nicht. Bei mir im Lauftreff ist eine Frau, Jahrgang 1962, die lie letztes Jahr ertmals sub 40 auf zehn Kilometer. Also da geht noch was, hau rein
lG
Ralph
April 8, 2009 at 6:53
Klasse die Fotos!
April 8, 2009 at 7:30
Liebe Manu,
auch von mir *clapping hands*. Und auch sehr schöne Fotos, womit sind die gemacht? Sprich mit welcher Kamera? Da hat jemand entweder ein sehr gutes Auge plus Reaktionsvermögen, oder eine gute Serienbildfunktion. Nikon Dxx?
Herzlich Dir,
Alf
April 8, 2009 at 7:53
Hach, ich muss wirklich diesen Trainingsschlappschrittschweinehund mal loswerden. Aber es macht eben so einen Spaß, gemütlich durch die Landschaft zu schunkeln…
Ich danke Euch für Eure Proteste bzgl. des Altenteils!
@ Alf: Da war schon ein Profi am Werk, mit entsprechender Ausrüstung und vom Fach und zufällig ehemals LG Wuppertaler!
P.S: chopper, die Musik, bei der ich 45:xx
laufe, muss wohl noch erfunden werde!
Grüße @ all
Manu
April 10, 2009 at 6:08
Hach, da sind ja noch Fotos dazugekommen. Und gute dazu!
Beim Stichwort „Sammelband Busch“ fällt mir glatt was ein. Ich guck’ ja meist nur noch im Internet nach, wenn ich was suche (verdorbene Sitten ;o), habe aber auch eine sehr alte Ausgabe von Buschs gesammelten Werken. War mal ein Geschenk einer Freundin, die ich auf dem Weg in den Yoga-Urlaub endlich wieder kurz besucht habe. Bei dieser GElegenheit kam ich auch – das habe ich noch gar nicht erzählt, oder? es gäbe immer so viel zu erzählen, dass gar nicht alles auf einmal geht *s* – irgendwann morgens gegen 6:00 Uhr ca. durch Wuppertal. Mit Halt am Hauptbahnhof. Am Tag vor Rosenmontag. Auch in Köln hatte ich Aufenthalt gehabt und so schunkelte mich die Bahn nach einer durchgemfahrenen Nacht in Regionalzügen durch die Fassnachtshochburgen, wo endlose Ströme von verkleideten Gestalten teils übermüdet auf dem Heimweg waren oder sich frisch und munter größtenteils in Grüppchen aufmachten zu neuen Karnevalstaten wie Umzügen, Veranstaltungen … es wimmelte bunt vor Kostümen. Das war schon wirklich etwas skurril – aber in Wuppertal habe ich nur sehr an dich gedacht und dir teilvirtuelle Morgengrüße durch den Äther geschickt
Mai 23, 2009 at 12:31
Wenn man ohne direkt gezieltes Training so eine Zeit schafft, kann man verdammt stolz auf sich sein. Gratuliere dir nachträglich!
Aber es muss ja auch nicht immer so ein gezieltes Training sein. Auch mit ein bisschen „lala“ schaffst du es nochmal unter 47 Minuten, ich bin mir sicher.
PS: Das Bild von deinem Lächeln gefällt mir auch deutlich besser als die konzentrierte Siegerin mit der ach so tollen Hüftstreckung
Mai 23, 2009 at 7:07
Hallo Hannes,
herzlich willkommen hier im Blog! Und dankeschön fürs nette Kompliment – so ein Lächelfoto gibt es aber auch nicht allzuoft von mir, normalerweise schaue ich verbiestert-grimmig drein. Keine Ahnung, warumn ich da gerade so verzückt vor mich hingriene;-)
Ich hoffe ja, dass der Daniels mir ein paar Impulse Richtung 47 gibt. Aber noch lese ich nur und trainiere noch nicht.
Gruß
Manu
handballbegeistert, schön, dass es dazu bei dir ja auch was zu lesen gibt! (Tochter frischgebackene Kreismeisterin A Jugend)