Heute, im Anschluss an den 3. Sambatrassenlauf, habe ich sie endlich gesehen: Zwei majestätische Tiger, die in ihrem weitläufigen Freigehege mal faul am Bach lagen, dann wieder in erhabener Schönheit ihr Terrain erkundeten, um sich schließlich nach einiger Zeit in den Schatten der Bäume, die ihr Gehege säumen, zurückzuziehen.


Die Fotos sind bei anderer Gelegenheit an gleicher Stelle entstanden – wie üblich hatte ich keine Kamera zur Hand…
Während des Wettkampfs hatte ich wieder keinen Blick erhaschen können, weder auf dem Hinweg – da war ich recht schnell vorbeigerauscht – noch auf dem Rückweg, da war ich in düstere Gedanken (so was in der Art, nee, keine Lust, diese verdammte Steigung, diese elende Sonne, ich mag nicht mehr…) vertieft.
Der Lauf fand zum dritten Mal in Folge statt, ich war von der Premiere an dabei und oh Wunder: Man läuft zwar immer auf der selben Trasse, aber nie die gleiche Strecke – da lässt sich das Team von Bunert nicht lumpen und baut kleine, gemeine Änderungen ein.
Bei der Erstauflage (etwas runterscrollen) vermutete ich sehr stark, dass die 10 km Strecke etwa 200 m zu kurz bemessen war. Das sagten übereinstimmend mein Garmin, mein Gefühl, die gelaufene Zeit (geradezu sensationell bei diesem Profil mit 48:49 min) und auch andere, trassenerfahrene Läufer.
Letztes Jahr gab es ja dann den Halbmarathon, der mit zahlreichen Schwenks hoch und runter und wieder hoch aufwartete, korrekt vermessen, und ich war bei tropischen Temperaturen meinen bis dato langsamsten Halben mit ganz knapp sub 2 Stunden gelaufen. Die Trasse und die Sonne hatten mich echt geschafft.
Dies Jahr standen wieder 5 km oder 10 km für Einzelstarter zur Verfügung, und als Neuerung wurde sogar eine Nettozeitmessung (BibChip) spendiert. Das verleitete mich nach einem ausführlichen viertelstündigen Warmlaufen zur Startaufstellung ziemlich weit hinten im 10 km Feld, was sich als schlechte Idee erwies. Ich hatte nicht gewusst, dass wir einen Schlenker mit Wendepunkt nach 500 m liefen, und dadurch, dass die schnellen Läufer auf engem Weg in die Gegenrichtung entsprechend Platz benötigten, war ich fast auf dem kompletten ersten Kilometer hinten eingepfercht, denn auch nach meiner Wende konnte ich wegen der mir dann entgegenkommenden langsameren Teilnehmer nicht ausscheren. Einem zu schnellen 1. Kilometer kann ich mit 5:13 min wirklich nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Danach hatte sich der Pulk entzerrt und das Adrenalin suchte sich seinen Weg nun halt auf dem 2. Kilometer, der mit 4:23 schon recht mutig war. Aber gleichmäßig laufen kann ich auf der Trasse nicht, die softe Steigung auf dem Rückweg fordert bei mir immer einen hohen Tribut. Also beeilte ich mich auch auf den nächsten Kilometern: 4:31, 4:35, 4:38 – man bedenke dabei das stetig abnehmende Gefälle.
Nach der Wende sah das dann mit stetig zunehmender Steigung nicht mehr so schön aus: 5:08, 5:39, 5:40, 5:45, 5:31 – da war noch nicht mal mehr ein Endspurt drin. Die sub 50 hätte ich schon gerne sehen wollen, aber das war heute einfach nicht möglich. Die Nettozeit müsste irgendwas um 50:30 min betragen – Bruttozeit selbstgestoppt mit 50:44 min. Nachdem ich mir im Ziel einige Becher Flüssigkeit einverleibt hatte, fühlte ich mich schon wieder verdächtig frisch. Der Nichtläufer an meiner Seite pflegt dann immer zu spotten, ich würde mich ja sowieso nie verausgaben. Tatsächlich überlegte ich mir, dass ich, anstatt umständlich wieder mit dem Bus zurückzutuckern (ich war ohne den in Sachen Rasenmähern leider verhinderten Familienclan unterwegs) gemächlich die Trasse zurücklaufen könnte, am Zoo vorbei und dann den Rest mit der Schwebebahn. Der Rucksack erwies sich zwar als wenig bequem und schlackerte heftig, aber für die paar Kilometer war es auszuhalten.
So kam es also zum ausführlichen Zwischenstopp auf der Tigerbrücke und ich durfte mir 18 Kilometer eintragen. War wirklich ein schöner Lauftag!
P.S: Wow, ich war 7. Frau im Ziel (von 44) mit 50:14 min und 2. in der Altersklasse (von 8)! 14 läppische Sekunden, da stand ich ja noch weiter hinten im Feld, als ich dachte. Man sollte nicht nur nach Bruttozeit laufen, wenn ich gewusst hätte, dass es so knapp war, wer weiß, vielleicht hätte ich mich doch noch ein wenig mehr anstrengen können.

Juni 13, 2009 at 9:27
Nicht traurig sein, über die verpasste sub50er-Zeit. Auch wenn es vielleicht nicht ganz deinen Vorstellungen entsprach, ich möchte dir trotzdem dazu gratulieren.
Die Sonne scheint Kräfte gekostet zu haben, dazu die angesprochenen Steigungen, es sollte vermutlich lieber andersrum sein. So war es ja fast vorprogrammiert, dass man am Ende nicht mehr konnte … wobei du ja scheinbar noch konntest
Juni 14, 2009 at 5:54
ähäm … sind die Zäune nicht ein bisschen dünn und schwach auf der Brust für ein paar ausgewachsene Tiger? So richtig geheuer wär’ mir das glaub’ ich nicht.
Was den Lauf angeht, finde ich das eine kuriose Idee, jedes Jahr die Strecke zu ändern – ist das Absicht?
Zur Zeit? jo, was würde ich dazu sagen können … hmm … ich find’ sie natürlich klasse. Du natürlich nicht. Sonst eigentlich nix ;o)
Weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal 18km gelaufen bin – ist schon ein paar Tage her.
Juni 14, 2009 at 4:37
Die Ausschreibung klingt wirklich interessant, wobei mich klar Dein Titel hergelockt hat. Das Buch „Schiffbruch mit Tiger“ kennst Du ja wohl, bist ja in der Bücherbranche! Und die „leider nicht sub50″ ist doch noch besser, als mit einem Tiger im selben Boot zu sitzen!
Ich finde die Zeit spitze und ich schicke Dir einen ganz dicken Glückwunsch!!!
LG Monika
Juni 14, 2009 at 5:54
Hallo Manu,
Glückwunsch zur Platzierung, die sieht doch sehr gut aus. Ansonsten scheint es Dir auch viel zu warm gewesen sein, umso stärker finde ich daher Deine doch erreichte Zeit. Wenn der Anfang mit dem Wendepunkt nicht so eng gewesen wäre, wäre sicher auch noch die ein oder andere Sekunde herausgesprungen.
Die Einführung der Chipmessung wird sicher im nächsten Jahr auch für den ein oder anderen Mehranmelder sorgen, oder? Selbst wenn die Strecke jedes Jahr anders zusammengestellt wird.
Die Tiger sehen schon toll aus, sehr majestätisch. Schönes Bild.
Juni 14, 2009 at 7:24
Liebe Kylie,
erstmal herzlichen Glückwunsch! Ich hab Dich auch hier entdeckt: http://picasaweb.google.de/alf.dahl/SFLLaufer?authkey=Gv1sRgCNP2wqatyaqV9gE#5346917189487412290 Ausserdem hab ich mir gerade erlaubt, Deine ausgesprochen informative und liebevoll aufgemachte Infoseite zur Sambatrasse zur verlinken, über die Referrer wirst Du sehen, wo
.
Herzliche Grüße
Alf
Juni 15, 2009 at 11:32
Ach, wenn ich das so lese muss ich an unsere schönen Läufe auf der Trasse denken!
Und bei der nicht so starken, aber stetigen Steigung auf dem Rückweg finde ich die Zeit doch beachtlich! Glückwunsch!!!
Juni 15, 2009 at 12:19
@ Hannes: Ach, traurig war ich auch wirklich nicht. Irgendwann musste die sub 50 Serie ja reißen, damit ich endlich die Theorie aus dem Daniels in die Praxis umsetze… Insofern war das jetzt wohl ein Zeichen!
Und so rein psychologisch ist es echt oberfies, dass man von Anfang an weiß, was einen auf dem Rückweg erwartet!
@ Lizzy: Keine Sorge, das wirkt nur so luftig! Das Gehege ist schon ausreichend gesichert, aber alles ist harmonisch mit Wassergräben, Sicherheitsglas und künstlichen Felsformationen in die Landschaft eingefügt. Wuppertal ist der einzige Zoo, in dem ich mir gerne die Großkatzen anschaue. Ich meine, ein Zooleben heißt ja nun mal eingesperrt sein, aber dieser Zoo lässt den Tieren dennoch ihre Würde.
@ trailfüchsin: Hihi, ja, der Titel war natürlich eindeutig eng an das Buch angelehnt. Fiel mir irgendwie so ein, als ich auf der Tigerbrücke stand. Und klar, lieber plus 50 als Tiger an Bord;-)
@ Michi: Im Gegensatz zu Dir hatte ich wenigstens schattige und sonnige Abschnitte im Wechsel. Im Schatten merkte man, dass die Luft gar nicht so warm war – nur da, wo die Sonne ungefiltert schien, heizte es sich ganz schön auf. Aber es hat ja auch sein Gutes, siehe meine Antwort an Hennes: Jetzt suche ich mir mal einen schönen Wettkampf im Herbst aus und steige ins Training ein. Es sei denn, ich vergesse wieder meine guten Vorsätze
@ Alf: Dankeschön für’s Foto, und ich hab’ schon gesehen, wo Du mich verlinkt hast. Auf der Seite war ich ja auch schon diverse Male, bei Dir standen ja die Ergebnisse schon früher als auf der offiziellen Seite!!!
Ich habe Dich übrigens auch gesehen, aber Du warst immer so beschäftigt mit Kamera und Nachwuchs, dass sich keine Gelegenheit zum Hallosagen ergab!
@ Eva: Ja, wir haben da ja schon das ein oder andere flotte Trainingsläufchen gemacht! Ich erinnere mich, dass Du immer diejenige warst, die mich gezogen hat…also, wär doch schön, wenn es Dich „zufällig“ zum Sambalauf wieder mal in Tal verschlägt! Dir scheint, im Gegénsatz zu mir, die Steigung zu liegen
Juni 15, 2009 at 12:46
P.S. nochmal an Alf: Ist ja witzig, ich hatte diesen alten Artikel von mir schon fast vergessen.
Erstaunlich, dass ich damals noch meinte, die Steigung sei nicht wahrnehmbar…tsss, da war ich die Strecke halt noch nicht volle Pulle gelaufen. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil!!!
Juni 15, 2009 at 2:57
Auch von mir noch herzlichen Glückwunsch zu der guten Zeit und dem 2. Platz in der AK! Mit falscher Taktik bei der Aufstellung am Start macht wohl jeder Läufer unliebsame Erfahrungen .-( .
. Riesenrespekt!
Auf die Idee, von einem Wettkamf nach Hause zu laufen, muß man erst einmal kommen
lG
Ralph