Dave Gahan – Autogrammstunde in Köln 2007

Ich hatte keinen Stempel…

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder die andere an die alte Geschichte „Wir hatten keine Bändchen“– genau, die Depeche Mode Pressekonferenz Anno 2005.

Heute darf ich Euch Episode II präsentieren.Schon vor geraumer Zeit war auf der Depeche Mode Website zu lesen gewesen, dass Mr. Gahan am 30.10. eine Autogrammstunde im Kölner Saturn Music Dome geben würde. Och, da könnte man ja mal hinpilgern, hatte ich mir gedacht. Wenn er schon mal in Köln ist und sein neues Album promotet…
Gedacht, getan.

Den kleinen David nahm ich dann lieber doch nicht mit zum großen Dave, sondern engagierte die Schwester als Babysitterin. Ich gestehe, dass ich ihr sogar eine Entschuldigung für die letzte Schulstunde schrieb, die eh nur eine Vertretungsstunde sein würde, damit ich den Zug um 13:20 Uhr nehmen konnte. Einen „wichtigen Termin“ müsse ich wahrnehmen, so hatte ich es wohl formuliert, und das war ja kein bisschen gelogen.

Von 16 Uhr bis 17 Uhr sollte die Autogrammstunde dauern, um 13:47 Uhr erreichte ich den Deutzer Bahnhof und verpasste um wenige Sekunden die Anschlussbahn zum Hansaring. Ich hätte natürlich weiter zum Hauptbahnhof fahren können, von da wäre es nur ein kurzer Fußmarsch gewesen, wie ich später herausfand, aber ich kenne mich ja in Köln nicht aus, war deswegen brav in Deutz ausgestiegen, wie es mir die Deutsche Bahn ausgedruckt hatte.

 

Nee, nun aber bitte nicht noch 20 min warten. Also investierte ich 10 Euro in ein Taxi, das mich schnell zum Saturn fuhr.
Ach Du Schreck, da war ja schon mächtig viel Volk versammelt…mussten diese Menschen alle nicht arbeiten, oder was? Es war Dienstag kurz vor zwei Uhr und hier tobte der Bär!
Ich hatte gedacht, wenn ich zwei Stunden vorher da wäre, würde das dicke reichen…aber weit gefehlt. Dave for the Masses…und ich reihte mich ganz ans Ende einer kreuz und quer durch das riesige Ladenlokal gewundenen Schlange ein.
Die Leute hatten alle so Dave-Fotos in der Hand, Autogrammkarten – wo gab es die denn? Das schwarzgewandete Mädel vor mir deutete auf zwei Anzugträger im Eingangsbereich, an denen ich blind vorbeigelaufen war. Also schnell zurückgespurtet und ein Bild erhascht. Einer der Herren murmelte was von keine Garantie auf ein Autogramm, das nahm ich aber nur am Rande zur Kenntnis. Jedenfalls hatte ich schon mal ein schönes Foto um 14 Uhr und ließ mich am Ende der Schlange beim CD-Boxen-Regal häuslich nieder.
Schon bald war ich nicht mehr die Letzte, die Massen strömten weiter und verstopften sämtliche Gänge und Seitengänge wie ein mehrschwänziger Lindwurm.

Nach und nach sickerten Gerüchte durch, von 300 gestempelten Autogrammkarten wurde getuschelt, und danach seien nur noch ungestempelte ausgeteilt worden, als Trostpflaster und damit keiner mit leeren Händen dastehe. Meine Karte war sowas von ungestempelt, ich konnte sie drehen und wenden wie ich wollte und gegen das Licht halten…da war nix gestempelt! Die vor mir hatten auch keine Stempel, die hinter mir schon mal gar nicht und auch weiter vorne kampierten stempellose Fans. Keine Leute mit Stempel soweit das Auge reichte.

Nun lungerte ich aber schon eine Stunde hier herum, war mit Anreise zwei Stunden in Sachen Dave Gahan unterwegs…jetzt zu gehen wäre blöd. Das wäre ja wie Aufgeben bei der Halbmarathonmarke, nur weil man den Chip nicht dabei hatte und nicht gewertet werden würde.
In der Ruhe liegt die Kraft. Ausdauergestärkt und enorm leidensfähig, wie ich durch’s jahrelange Laufen nun mal bin, stand ich eine weitere Stunde bewegungslos herum, die Realität (ich hatte keinen Stempel, ich würde weder ein Autogramm bekommen noch Dave sehen) total ausblendend.
Es wurde 16 Uhr, jetzt sollte Dave doch allmählich mal vor Ort sein…aber es tat sich nichts. In zwei Stunden hatte ich ungefähr 5 m nach vorn zurückgelegt, ich stand jetzt nicht mehr vor den CD-Boxen, sondern an der Treppe zum Vinyl-Keller.
Ab und zu quetschten sich irritiert dreinschauende Kunden vorbei. Der eine oder andere fragte auch mal, was denn hier los sei, ach, Depeche Mode seien hier? Ach, der „Gähän“ (man spricht den Namen so aus, wie er geschrieben wird, Gahan, mit einem vernuschelten h;-), ach so.

Um 16:15 Uhr konnte man in weiter Ferne ein Blitzlichtgewitter erahnen, ein Raunen ging durch die Menge und wir machten innerhalb einer Minute mehr Meter als in den Stunden zuvor., was aber nur daran lag, dass alle mehr zusammenrückten.
Etliche Zuspätkommer quetschten sich von allen Seiten munter in die Schlange, es wurde gedrängelt, was das Zeug hielt. Zugleich verdichtete sich das Gerücht, nur die Inhaber abgestempelter Karten würden ins Allerheiligste vorgelassen, es gebe eine dementsprechende Kontrolle.
Ich rechnete nach, eine Stunde und 300 Karten, das bedeutete 5 Autogramme in der Minute, mehr wäre wohl auch wirklich zuviel verlangt.
Die Stunde verging, bald war es 17 Uhr geworden, es blieben wegen der Verspätung noch 15 Minuten.
Man konnte außer Menschenmassen nichts erkennen, alles war so abgeschottet, keine Chance.
Jetzt sah ich auch den Security Mann und es war kein Gerücht, sondern Tatsache, dass an dem niemand ohne Stempel vorbeikam. Die Minuten vergingen, ich fragte mich immer noch nicht, was ich hier eigentlich tat und blendete diese Frage weiterhin tapfer aus. Links und rechts von mir wurden die Leute abgewiesen. Die Zeit war fast um, der Security-Mann rief in die Menge, ob noch irgend jemand einen Stempel hatte. Ganz vereinzelt tauchten noch ein paar Glückliche auf und durften vor. Dadurch wurde ich etwas nach links geschoben, stand unmittelbar vor dem Durchlass, der mir versperrt war und hörte von links, seitlich der Absperrung jemanden fragen: „Hat hier jemand keinen Stempel?“ Ich schien die einzige zu sein, die diese Frage wahrnahm, sagte hier, ich, ich habe eine Karte, aber keinen Stempel!
Da meinte er, dann lass uns tauschen, reichte mir seine Karte mit Stempel rüber und ich gab ihm meine. Ich schaute ganz entgeistert, konnte es nicht fassen, der Typ rief mir noch zu, grüß ihn schön von mir, und weg war er!
Ein letzter Aufruf, ob noch jemand eine gestempelte Karte habe – und ich hielt meine Karte hoch, wurde durchgelassen, ließ den Trubel und die Massen hinter mir, verstand nun, warum man von Dave so gar nichts gesehen hatte, nichts sehen konnte – er saß in einem separaten Zimmer, ganz abgeschottet von all dem Lärm und Gedränge.
Total locker und entspannt schrieb er konzentriert, aber nicht hastig, nahm sich die Zeit für Blickkontakt und Händedruck. In den Raum wurden immer nur maximal 5 Leute gleichzeitig vorgelassen, und ich hatte ausnahmsweise mein Handy griffbereit, knipste mit zittrigen Fingern dreimal drauflos, dann war ich schon dran.



Dave schaute mich an, gab mir die Hand, schrieb: „for Manu from Dave“ auf meine Karte und ich schwebte in einen Flur, wo schon einige Leute standen und warteten, dass sie noch Fotos machen konnten, denn die Stunde war nun vorbei.
Eine Minute noch, und Dave entschwand durch eine Seitentür. Die Menge löste sich auf, ich schwebte zur Bahnstation und wusste nicht, ob ich träumte oder wachte. War das ein Engel gewesen, der mir die Karte gereicht hatte? Litt ich unter Wahnvorstellungen, stand ich in Wirklichkeit immer noch vor der Absperrung?
Später wurde mir natürlich klar, dass der Engel einfach zwei gestempelte Karten ergattert hatte, es aber nur ein Autogramm pro Person gab, er somit noch jemandem etwas Gutes hatte tun wollen.
Barmherziger unbekannter Samariter, ich danke Dir dafür! Ohne Dich hätte ich nie gewusst, was für einen angenehmen Händedruck Dave hat, wie gut er auch von nahem aussieht und wie nett und locker er die 300 Autogramme gekritzelt hat. Ich schätze mal, dass ich das 295te bekommen habe, ihm war die Freude schon anzumerken, dass er es bald geschafft hatte!

31.10.07 11:47 verlinken / 12 Kommentare / kommentieren
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s