Vom sanften Haarefärben – ein Testbericht *

* oder von Kylie, die wissen wollte, wer ihr auf den Kopf gemacht hat …

Früher war ich natürlich blond. So richtig hell-weißblond, als Baby mit dünnem, fast durchsichtigen Flaum auf dem Kopf, als Kind mit dünnem hellblonden strähnigen Haar, als Pubertierende dann fand ich meine Haarfarbe langweilig und außerdem lag Henna voll im Trend.

Ja, Ihr ahnt es, das Experiment mit Henna geriet damals zum dauerhaft färbenden und noch dauerhafter traumatisierenden Erlebnis, aufgrund dessen hinfort die Farbe Rot in allen Schattierungen, Abstufungen und Nuancen von Flammendrot über Kupfer bis hin zu Goldblond für mich böse war.

Meine schöne Naturhaarfarbe war seither ruiniert, irgendwie wuchs es nie wieder so nach, wie es mal war. Also wurde jahrzehntelang munter weiter getönt, blondiert und ausprobiert, zuletzt immer auf der Flucht vor dem Gilb. Der Gilb war mein schlimmster Feind, denn es gibt kaum was Widerlicheres als den ordinären Gelbstich, den blond gefärbte Haare manchmal annehmen. Aber so ein Gilb ist hartnäckig,  schimmert immer wieder durch, vor allem im Sommer und zusammen mit strohiger Haarkonsistenz ist es in etwa das Schrecklichste, was sich auf dem Kopf abspielen kann.

(Dachte ich jedenfalls – bis ich nun eines anderen belehrt wurde, aber davon später.)

Meine jahrelange Allzweckwaffe wider den Gilb fand ich in „L’Oreal Preference 9,1 Viking“, einem schönen, aschigen, hellen, aber nicht zu hellen Blond. Man sah bei dieser Farbe immer erst spät einen „Ansatz“, sodass nur drei bis viermal pro Jahr zur Packung gegriffen werden musste.

In den letzten Jahren hatte ich allerdings immer weniger Bock auf die Chemiekeule auf dem Kopf. Schwangerschaft und Stillzeit sensibilisierten mich da wohl,  ähnlich wie im Hinblick auf Medikamente: Was in der Schwangerschaft und Stillzeit verboten ist, nehme ich nach Möglichkeit auch sonst nicht. Und vom Haarefärben wird, bestimmt nicht grundlos, vehement abgeraten, wenn man stillt oder schwanger ist.

Nun kamen noch zwei Faktoren hinzu, die letztlich dahin führten, dass ich mich heute, ähnlich wie der Maulwurf fragte, wer mir wohl auf den Kopf gemacht hat.

1.) Beim neuen Öko-Test Bericht fielen alle getesteten Produkte mit „ungenügend“ durch. Angeregt durch dieses lustige Video der RP online (Nachtrag: leider online nicht mehr verfügbar), suchte ich also nach einer schonenden Alternative.

2.) Auch ohne Färbung fallen mir, wohl hormonell bedingt, die Haare derzeit beängstigend aus und das, was am Ansatz nachwächst, gräulich und schütter, sieht nicht so aus, als ob die chemische Keule zuträglich wäre.

Die Verlockung:

Beim Umschleichen der langen Regalwand im dm-Markt konnte ich dieser Verlockung nicht widerstehen:

Adieu, Blondie! Terra, die einzige Pflanzenfarbe im Regal, die nicht rotlastig zu sein schien. Ihr erinnert Euch: Rot = Böse. Folglich griff ich zu, denn mittlerweile war das Thema Haarefärben schon zu einer Obsession geworden – es musste geschehen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Das Schlimmste, was passieren konnte, wäre ein Rotstich. Das zweitschlimmste ein Grünstich– auch schon mal gehabt, nicht schön. Das drittschlimmste eine viel zu dunkle Haube.

Die Umsetzung:

Meine vernünftige Tochter rührte vorsichtshalber erst einmal eine Minimenge des Pulvers mit heißem Wasser an und bepinselte eine Probesträhne. Nach gut 40minütigem Warten und nachfolgendem Ausspülen sah man – nichts. Kein Ergebnis. Also gar nichts. Man konnte nach dem vollständigen Trocknen die gefärbte Strähne nicht vom restlichen Haar unterscheiden. Allerdings betrug die empfohlene Einwirkzeit auch ein bis zwei Stunden.

Jedenfalls ging es nun richtig zur Sache. Beim Vermengen des Pulvers mit dampfendem Wasser stieg uns ein gar übler Geruch in die Nase. Der Chemiegeruch von L’Oreal ist zwar ebenfalls unangenehm und beißend, aber diesen Öko-Duft, eine Mischung aus Spinatgläschen (Babykost von Onkel Hipp), Kuhfladen und Verwesung, empfand ich fast als schlimmer.

Die nächste halbe Stunde verging mit dem Auftragen der Pampe, was meine Tochter freundlicherweise übernahm. Rings um den Badewannenrand, auf dem ich saß, rieselten kleine erdfarbene pulverige Häufchen, denn die Konsistenz der Masse war leicht bröselig. Ab und zu kam der Rest der Familie ins Badezimmer, um sich über das Ausmaß der Katastrophe zu informieren. Gefühlte Ewigkeiten später saß ich dann mit dem plastikumwickelten und zusätzlich handtuchbehangenen kuhfladigen Haufen auf dem Kopf vorm PC und hatte eine gute Stunde Zeit, mir andere Erfahrungsberichte über das Haarfärbeprodukt meiner Wahl durchzulesen. Da gab es von euphorisch bis total unbegeistert eigentlich alles.

Auch die längste Wartezeit hat mal ein Ende, und ich konnte mich ans Auswaschen der Pampe begeben. Das dauerte! Es bröselte und krümelte in meinem Haar, und es war unmöglich, alle Rückstände zu entfernen. Nachdem ich eine weitere gefühlte Ewigkeit mit dem Duschkopf über der Badewanne gehangen hatte, kapitulierte ich. Schließlich wollte ich noch laufen, danach würde ich dann duschen und die Haare erneut gründlich waschen.

Das Ergebnis:

Also schnell mal das Ergebnis begutachten. Abgesehen davon, dass mein Haar borstig vom Kopf abstand, von Glanz und Geschmeidigkeit und Pflege, die das Naturprodukt hätte erzeugen sollen, keine Spur, sah man jetzt einen kleinen Unterschied zu vorher. Ich würde sagen, leichte Tendenz zu goldblond, der ungeliebten Farbe, aber noch erträglich. Kein Gilb, kein extremer Rotstich – aber auch kein Braun.

Kappe auf, denn es regnete, und loslaufen, das waren die nächsten Aktionen. Während der folgenden 11 Kilometer begleitete mich dieser ekelhafte Spinat-Kuhfladen-Moder-Geruch, wölkte unter der Kappe hervor und machte mich fertig. Ich sehnte mich nach der Dusche!

Das Fazit:

Die Moral von der Geschicht‘: Nach gründlicher Dusche und erneuter Haarwäsche inklusive Haarkur dürften alle Brösel und Klümpchen abgespült worden sein, was man vom Geruch leider immer noch nicht behaupten kann. Das Haar glänzt auch wieder und scheint das alles ganz gut verkraftet zu haben. Ich weiß aber nicht, ob ich diese Prozedur wiederholen werde. Frühestens in einem halben Jahr, wenn die Erinnerung verblasst ist. Und man muss ja auch Zeit für so eine Aktion haben, am besten am nächsten 1. November, das ist ein idealer Tag dafür gewesen.

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10 Kommentare zu “Vom sanften Haarefärben – ein Testbericht *

  1. Nimm’s mir nicht übel, aber ich hielt Dein Zart-kupfer-rot-blond für absolut echt und typgerecht, also überaus natürlich. Ich fand’s klasse. Ensprechend finde ich es nicht so tragisch, dass es mit dem Terra nicht so geklappt hat. 😉

  2. Lustige Geschichte, kommt mir sehr bekannt vor. Das Zeug stinkt ohne Ende, ist wie Lehm und krümelt hinterher auch genauso aus den den Haaren, Farbe hinterher so gut wie Null. Dann scheine ich vor einigen Jahren doch nichts falsch gemacht zu haben 😉
    Ich muss Phönix zustimmen, mir wäre gar nicht in den Sinn gekommen, dass Deine Haarfarbe gar nicht die echte ist. Sieht absolut so aus und passt wirklich zu Dir.

  3. Guten Morgen, Ihr Lieben!

    Naja, ich habe ja auch versucht, meiner Naturhaarfarbe, so wie ich sie vor der Henna-Attacke in Erinnerung hatte´, möglichst nah zu kommen. Von daher ist’s also fast „meine“ Farbe, ddaher auch kaum merkliche Ansätze, immer erst nach mehreren Monaten.
    Nur jetzt wird’s ziemlich grau, das fällt dann doch auf.
    Aber Phönix, dann hat mein Asche-Programm mit Viking ja gar nichts genützt, wenn Du meine Haarfarbe als zart-kupfer-rotblond beschreibst 😉 Es sollte doch hellaschblond sein! Hellaschblond ist sooo schön, ohne jedes rötlich-gelbe Element.
    Heute morgen sieht’s leicht beige aus, bin mal gespannt, ob’s bei der Arbeit (verkaufsoffener Sonntag) irgendwem auffällt, dass was anders ist.:-)

  4. Ha, das Versuchsprogramm bin ich auch schon durchlaufen. Und was war? Nichts, rein gar nichts war im meinen Haaren zu sehen. Hab mich bei der Firma beschwert, die mir das Geld bei Einsenden der Verpackung erstatten wollten, was mir dann aber auch zu lästig war. Geht dann scheinbar doch nur „richtig“ mit Chemie. Deine Bedenken dazu kann ich gut nachvollziehen. Meine Lieblings-Friseurin berichtete mal von einem allergischen Schock einer Kundin während einer Blondierung. Das hörte sich nicht lustig an.

  5. Puh…. schön geschrieben, Manu!
    Kuhfladen-Spinat-Geruch klingt fies!

    Aber wenn ich das alles so lese, bestärkt mich das so herrlich in meiner Haltung, mir noch nie die Haare in irgendeiner Weise gefärbt zu haben. Ich widerstehe nach wie vor standhaft, auch wenn sich untendrunter immer mehr graue Haare wichtig machen wollen, das Gute ist nur, dass die wirklich nicht an der Oberfläche sind, sondern tatsächlich „untendrunter“. Das war auch mit ein Grund, warum ich mir die langen Haare habe abschneiden lassen – Pferdeschwanz oder Dutt ging gar nicht mehr, da kam das Grau voll zum Vorschein, aber wenn ich die Haare natürlich runterhängen lasse, dann gehts.
    Ich mag nicht färben!!

    Unter „beige“ kann ich mir nun aber irgendwie gar nichts vorstellen….

  6. Ich hatte in etwas jüngeren Jahren auch die Angewohnheit mein Haupthaar in allen möglichen Variationen zu färben. Die Experimentierlust und die Haarfülle nimmt mit zunehmendem Alter rapide ab.
    Was bleibt ist ein grauer, kurzer und pflegeleichter Rest. 😉
    Und vor allem gibt es keinen „Kuhfladen-Spinat-Geruch“ mehr. 😆

  7. Wenn’s mal gar nicht mehr klappt mit der Färberei, kannst Du ja immer noch eine Perücke aufsetzen. Ist bei Atze Schröder z. B. doch auch ganz nett 😉

    Grüße

    Uli (Grautier)

  8. Uli, Du bist ein Grautier? (Ich habe jetzt erst eingefranzösischt „grautiér“ gelesen, bis dann mal der Grochenen gefallen ist…)

    Hase, ich beneide dich, ein jungfräulicher, von keiner Färbung verschandelter Schopf!
    Und gegen Grau habe ich eigentlich gar nichts – bei Männern und bei anderen Frauen. Oft denke ich, dass es richtig gut aussieht. Fies ist nur die Phase der Zwiefarbigkeit .

    Niemand hat irgendeinen Unterschied bemerkt, soviel zu „beige“ 🙂 Ich selber sehe aber die andere Nuance.

    Mir jetzt aber mit Atze Schröders Pudelfrisur zu kommen, Uli, ist gar keine feine Art. Da schütte ich mir lieber demnächst kaffeesatz auf das Haupt…müsste doch auch funktionieren!

    Gruß von
    Manu

  9. …. super geschrieben – und wieder mal ne bestätigung für mich, die finger von den tönungsdingern bei DM zu lassen, die so verführerisch in den regalen glänzen..
    auch bestärkt es mich wieder darin, gegen alle anraten von 3. – meine grauen haare doch mit hellen stränen zu karschieren..

    danke für den bericht ;-))

  10. Pingback: Als ich die Haare schön hatte | Taltexte

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