Reimerlei

Mein neues kleines Projekt heißt Reimerlei Taltexte und ich freue mich, wenn ein paar meiner getreuen Blogleser und -leserinnen ab und zu den Weg dorthin finden.  Der Titel …try running in my shoes… soll an dieser Stelle nach und nach wieder Programm werden. Das heißt:  Hier läuftt’s weiter! Parallel dazu  setze ich mich an meinen Schreibtisch im Tal.

Und bevor das im Kommentar dann doch untergeht: Ihr könnt mithelfen, die Taltexte wachsen und gedeihen zu lassen, denn aller Anfang ist bekanntlich schwer. Wenn Euch die Idee gefällt, nehmt mich in Euer Blogroll auf, teilt die Seite mit Facebook, twittert, verlinkt die Taltexte! Denn ich fange mit ihnen ja quasi wieder bei Null an.
Vielen Dank für Eure Unterstützung!


Mit Erich Kästner ins Jahr 2011

Der Dezember 


Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.

Ist gar nicht sehr gesund.

Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.

Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.

Ruht beides unterm Schnee.

Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.

Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.

Nichts bleibt. Und nichts vergeht.

Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.

Nützt nichts, daß man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus

durch jeden Kindertraum.

Und wieder blüht in jedem Haus

der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,

wie hold Christbäume blühn.

Hast nun den Weihnachtsmann gespielt

und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.

Dann dröhnt das Erz und spricht:

„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,

und du kennst deinen nicht.“

Wiederentdeckt…

…in meinem Bücherregal. Ein echter Klassiker meiner Kindheit. Wurde natürlich auch verfilmt, und ich schnitt damals (da war ich wohl so 10 Jahre alt) aus der Fernsehzeitschrift GONG, die mein Opa abonniert hatte,  kleine Bildchen mit den Hauptdarstellern aus. Ein Satz gefällig, der erste Satz?

„Die Begebenheiten, die wir hier erzählen wollen, spielten sich in den Jahren zwischen 1740 und 1745 ab, zu einer Zeit, als sich die besiedelten Teile des Landes auf einen schmalen Landstrich zu beiden Seiten des Hudsonflusses und auf sogenannte Nachbarschaften am Mohawk- und am Schohariefluß beschränkten.“

Ich weiß nicht mehr, wo die alte, zerfledderte Ausgabe, die ich Sonntags bei meinen Großeltern immer begeistert hervorkramte, abgeblieben ist. Darum habe ich mir den 1989 bei Thienemann erschienenen, leider  „für die Jugend bearbeiteten und gekürzten“  Nachdruck zugelegt, der aber immer noch umfangreich genug und relativ komplett ist. Es gab dann übrigens 1992 auch noch mal eine filmische Umsetzung, die mir Alpträume wegen entsetzlich grausamer Szenen bescherte. Die Verfilmung, die ich von damals kannte, war natürlich entsprechend romantisch verklärt und ersparte einem solch grausige Details.

Viel Hilfestellung – Ihr wisst es sicher!

Der erste Satz…

Das Bücherraten macht mir gerade so viel Spaß, dass ich mal eine neue Unterkategorie der Schmökerecke teste. Der wirklich erste Satz eines „Klassikers“, also eines Buches, das schon lange etabliert ist. Keine Neuerscheinungen, die eh noch fast niemand kennt, sondern „schöne“ Literatur. Bücher, die einem ans Herz gewachsen sind, die man mehr als einmal gelesen hat und bei denen man denkt: da weiß man doch schon nach einem Satz, was das für ein Autor, welches Buch das ist. Eine kleine Hilfestellung könnte das Jahr der Erstveröffentlichung sein.

Mein Titel ist 1922 veröffentlich worden, aber der Autor arbeitete weiterhin bis in die 50er Jahre an diesem Roman.

„Indem ich die Feder ergreife, um in völliger Muße und Zurückgezogenheit – gesund übrigens, wenn auch müde, sehr müde (so daß ich wohl nur in kleinen Etappen und unter häufigem Ausruhen werde vorwärtsschreiten können), indem ich mich also anschicke, meine Geständnisse in der sauberen und gefälligen Handschrift, die mir eigen ist dem geduldigen Papier anzuvertrauen, beschleicht mich das flüchtige Bedenken, ob ich diesem geistigen Unternehmen nach Vorbildung und Schule denn auch gewachsen bin.“

Was für ein Satz! Na, das kann doch nur – wer und was – sein??? (Und erst selber raten, dann googlen. Google ist ein Spaßverderber)

Erster und letzter Stock

Bin so gar nicht die Stöckchenfreundin, aber bei Mandy musste ich jetzt eins aufheben. Und ich mache es wie sie, verteile das nicht nach Anweisung weiter, aber vielleicht mag es trotzdem jemand mitnehmen in sein Blog.

Bei mir war es nämlich so, dass gerade tatsächlich das Buch genau auf dieser Seite aufgeschlagen da lag, umgedreht (was man eigentlich vermeiden sollte als Büchernärrin) – aber es war gerade nur mal so kurz weggelegt.

Also, das Stöckchen ist folgendes:

nimm das nächste Buch in deiner Nähe mit mindestens 123 Seiten
– schlage Seite 123 auf
– suche den 5. Satz auf der Seite
– poste die nächsten 3 Sätze
– wirf das Stöckchen an 5 Leute weiter

Ich schlage auf und interpretiere frei den ersten angefangenen Satz auch als ganzen Satz, demnach beginne ich mit:

„Kein Interesse mehr daran, permanent irgendetwas sprudeln zu lassen und mich selbst in ein Dauerkorsett zu spannen. Denn eigentlich möchte ich mehr Zeit haben zum Lesen und Musikhören. Ganz blöd gesagt, bin ich da unterversorgt.“

Und ich mache gleich ein Rätsel daraus. Aus welchem Buch stammen die drei Sätze? Kleiner Anhaltspunkt: Autor starb am 21. August 2010 in Berlin. Dann wisst Ihr es wahrscheinlich gleich, soll ja auch kein schweres Rätsel sein.

Es ist übrigens trotz der scheinbaren Trivialität der herausgepickten Sätze ein kluges,  lesenswertes und empfehlenswertes Buch, und ich lese die Taschenbuchausgabe, die dieser Tage erschienen ist.

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So, Olzo hat das Rätsel zügig gelöst, darum hier nun ein kleiner Nachtrag. Mittlerweile habe ich auch die weiteren Seiten gelesen, bis zum Ende, das für den Autoren damals noch offen war. Er hat richtig gelegen mit seiner Einschätzung zum Zeitpunkt der ersten Chemo, dass es vielleicht noch zwei, drei Jahre auf der Erde für ihn geben könnte. Drei waren es nicht mehr,  knapp zwei.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann auf Schlingensiefs  Seite vieles nachlesen, was zur Erstveröffentlichung om April 2009 dazu geschrieben wurde. Die Taschenbuchausgabe, auf die ich mich beziehe, hat er nicht mehr erlebt.

Am 8. November erschein übrigens posthum der Titel  „Ich weiß, ich war’s“.