Mit Erich Kästner ins Jahr 2011

Der Dezember 


Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.

Ist gar nicht sehr gesund.

Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.

Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.

Ruht beides unterm Schnee.

Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.

Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.

Nichts bleibt. Und nichts vergeht.

Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.

Nützt nichts, daß man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus

durch jeden Kindertraum.

Und wieder blüht in jedem Haus

der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,

wie hold Christbäume blühn.

Hast nun den Weihnachtsmann gespielt

und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.

Dann dröhnt das Erz und spricht:

„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,

und du kennst deinen nicht.“

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Mein Hocker muss al dente sein

Mein kleines Werk ist zugegebenermaßen  mit der ganz heißen Nadel gestrickt, aber der Anlass, es innerhalb  weniger Minuten (es waren wohl keine drei)  zu verfassen, war folgender:

Eine gute Pointe muss sitzen Concret HockerIst doch echt mal witzig gemacht, dies Gewinnspiel. Und da nicht das beste Gedicht gewinnt (leider), sondern per Los entschieden wird, ist trotz der einen oder anderen Holperigkeit alles offen.

Hoffen wir mal, meine  Reimerei haut die Jury (oder wahlweise Fortuna) vom Hocker 😉

Es gäbe an der Geschmeidigkeit allerdings noch einiges zu feilen, aber die Ursprungsfassung ist ja schon in den Kommentaren „verewigt“ und nicht mehr editierbar.  Trotzdem,  für meine Geschmacksnerven hier die überarbeitete Version:

Manchmal tät‘ es sehr verlocken,
könnt ich kurz mich niederhocken,
und der Hocker, den ich suche,
wär’ concret einer aus Buche.

Andernfalls tät‘ es auch Erle
– unter Hölzern eine Perle! –
Doch nur über meine Leiche
hock‘ ich mich aufs Holz der Eiche.

Ein  Höckerchen aus lichter Birke
Bei müden Hintern Wunder wirke,
hingegen Ahorn, glaubt es mir,
gereicht dem Arsch nicht zum Pläsier!

Akazienholz, obwohl in Mode,
sitzt sich leider schnell marode.
Hocker aus Kirschbaum oder Nuss
bereiten aber kaum Verdruss.

Man sieht, es ist doch recht vertrackt
mit Procum, Structus und Contract.
Concret gesagt, schlecht sitzt die Pointe,
ist das Holz des Hockers nicht al dente!


noch’n Gedicht…

Da richte ich doch mal eine neue Rubrik ein, denn schon wieder hab‘ ich gewonnen! Letztes Mal übrigens keinen Serienkillerroman (Phönix, du hattest den Ausblick auf den nächsten Wochenpreis gesehen), sondern eine CD – dafür aber diesmal wirklich einen (anderen) Serienkillerroman! 🙂

Altherren

(Himmel – Fussball – verkleiden – winken – Kalender)

König Fussball war sein Leben,
Sogar bis zum jähen Schluss,
Denn der Himmel rief soeben
Ihn zu sich nach Toresschuss.

Eine schöne Art zu sterben,
Tröstet sich die Trauerschar,
Zählt er doch laut dem Kalender
Auch schon an die 70 Jahr‘.

Schwarz verkleidet um die Grabstatt,
Winkt die Mannschaft ihm zum Gruß,
Und er, der so sportlich abtrat,
Reist zuletzt mit Ball am Fuß.


Und der Vollständigkeit halber die (nicht siegreichen) Versuche der Vorwoche:

Absatzfalle

(Streusalz – Wolldecke – umdrehen – ablegen – sinnlich)

Sinnlich auf High Heels spaziert,
Nicht bedacht, dass es heut‘ friert
Und dass Streusalz Mangelware –
Eine nicht nachvollziehbare
Fehlentscheidung ihrerseits
Fordert den Tribut bereits:
Auf dem Sofa wollbedeckt,
Kräutertee, der ihr nicht schmeckt,
Linkes Bein hoch abgelegt
Nicht geschminkt und ungepflegt,
Schmollend sich herumgedreht,
Bis sie wieder aufersteht,
In die Stöckelschuhe gleitet
Und den nächsten Weg beschreitet..

Ach herrje – und draußen schneit et. :mrgreen:

Erst die Arbeit, dann kein Vergnügen

Während bibbernd Herr Meier vor’m Haus
Das Streusalz reichlich verteilte
Zog sich die Gattin im Heim nackig aus,
legte ab und verweilte
Unter der Wolldecke, wo sie sich
mehrmals sinnlich herumdrehte –
Doch Meiern war leider nicht abkömmlich,
Weil unablässig der Schnee wehte.
„Mistwetter“, so fluchte er Stunden danach,
Als er ermattet die Stube betrat,
worauf ihm die Gattin ihr Beileid aussprach,
wohl wissend, wie Recht Herr Meier da hat.


Das Gedichtespiel

Nein, nein, kein (vollwertiger) Ersatz fürs Kilometerspiel, aber da ich ja gerne vor mich hinreime, ist willkommene Ablenkung von allerlei Trübsal derzeit das hier:

Gedichte- Spiel

Ist witzig, die fünf vorgegebenen Begriffe in Reimform zu verpacken. Zum vierten Mal habe ich mich beteiligt, und wow, diese Woche habe ich, als dava101 dort unterwegs, weil ich die gute alte „Kylie“ nicht überstrapazieren möchte, mit Leo gewonnen! 🙂

Die Begriffe lauteten: Forum – Märchen – wecken – kratzen – warm

Leo

Einst döste im Forum Romanum
Die Löwenmeute hungrig rum,
Träumte von Fleisch im Überfluss
Im alten Circus Maximus.

Schon weckte man der Löwen Schar,
Was magenmäßig freundlich war
Und brachte sie ins große Rund.
Das Futter schrie im Hintergrund.

Es schreckt aus seinem Märchentraum
Der Leo, kratzt sich kurz, bedauert kaum,
Dass er im Zoo hockt, satt und warm,
Träge, gefangen, lendenlahm…

(Natürlich fallen einem im Nachhinein 1000 bessere Wendungen ein, z.B.  hätte die letzte Zeile angenehmer geklungen, wenn ich „Gefangen, träge, lendenlahm“ geschrieben hätte. Aber ich habe ja nicht viel darüber nachgegegrübelt, war so  locker vom Hocker. Und ist ja nur ein Spiel  😉 )

Und der Vollständigkeit halber, weil ich sie sonst bestimmt nicht wiederfinde, trage ich hier noch die ersten drei  bzw. vier Versuche der vergangenen Wochen nach…

Weihnachts-Entschleunigung

(Geschichte – Völlerei – beseelt – verstecken – behütet)

Ach, fühlte ich mich doch behütet wie ein Kind,
Erschiene sie mir endlos lang, die Zeit
Und raste nicht unglaublich lichtgeschwind
Beseelt allein von Gier und Kleinlichkeit.

Die heilige Geschichte downgeloadet am PC
Als Hintergrundgedudel Weihnachtseinheitsbrei
Nicht ein Auge, das ich staunen seh,
In all dem Flimmern und der festtäglichen Völlerei.

Ach, fühlte ich mich doch behütet wie ein Kind,
Und würden meine Eltern noch verstecken,
Die Gaben, die mit Sicherheit vom Christkind sind
Und würde ich sie Heiligabend finden in den Ecken.


Das kommt von das…

(Knaller – Theke – wackeln – pressen – künstlich) 1. Versuch

Schau ich zurück oder nach vorn?
Egal, man reiche weit’ren Korn,
bis auf die Theke sinkt das Haupt,
künstlich am Körper festgeschraubt.

Mich wecken weder Böller oder Knaller,
noch Fleischeslust angesichts praller
Dekolletees zur rechten und zur linken.
Drauf würd‘ ich gern noch einen trinken.

Ihr dürft ruhig weiter wackeln mit dem Busen,
Lasst euch nicht schrecken vom konfusen
Gelall nach alkoholischen Exzessen –
Lasst nur den Kopf mich in den Tresen pressen.

Alles Käse!

(Knaller – Theke –  wackeln –  pressen – künstlich) 2. Versuch

Ein Knaller ist die Party echt mal nicht,
Location mäßig, Sound ganz übel,
Schaler Prosecco warm im Kübel,
bei künstlich grellem Neonlicht.

Helga und Dieter wackeln ihre Polonäse,
Einmal rund um die Theke und zurück,
Bis ich mein Sortiment an Böllern zück‘,
Gleich fliegen hier die Löcher aus dem Käse!

Doch leider haben, in ’ne Uniform gepresst,
Zwei Typen mir den Spaß total vermiest
Jetzt hock‘ ich in ’ner Zelle, grün gefliest,
***** Neujahr, ***** Silvesterfest!


Angstpatient

(Doktor – Pfeife – hocken – pikant – elektrisch)

Kaum hockte ich im Stuhl, hab‘ ich erkannt:
Der Doktor ist ne echte Pfeife, und mir graute,
Dass er womöglich noch den Rest versaute,
An einer Stelle, höchst intim un
d recht pikant.
Und in der Tat: Seither die absolute Flaute,
Nicht mal elektrisch oder notfalls mit der Hand…
Es dauerte, bis ich es endgültig verstand,
Dass er mir samt und sonders alles ausbaute,
Nachdem er kurz in meinen Mund schaute.
Der Beißerchen bin ich seither komplett entmannt,
Ihm kam sein Doktortitel kurz danach abhand‘.