… marathon …

„Schnappt Kylie!“…oder wo läuft sie denn?*StS* Production proudly presents einen kurzen Videoclip. Viermal könnt Ihr mich „schnappen“, beim Start (husch husch), nach 3,5 Kilometern (winke winke;-), bei km 22 (nix raff;-), bei km 30 (mit Polizeikradfahrer;-) und im Ziel! Und los geht’s!

Tja, dem Video ist es an den Kragen gegangen, und das nur wegen so ein bisschen Hintergrundmusik von Marilyn Manson … sorry! Vielleicht schneide ich den Sound mal raus, wenn ich ganz viel Zeit habe.

22.5.07 21:59
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Marathon Photographic

Heute reicht’s nur vorab für ein paar Bilder, morgen gibt’s den Bericht…

Leider sind die Bilder nach all den Jahren irgendwo im www verschollen …sorry … und wenn ich dann extrem viel Zeit habe, krame ich sie wieder aus der Versenkung hervor. Bis dahin müsst ihr euch einfach vorstellen, was darauf zu sehen ist 🙂

Vor dem Start: Kappenbefeuchtung, ganz wichtig. Gesichtszüge entspannen…kommt noch 😉

Du musst nur noch das Zöpfel durch die Lasche ziehn…gar nicht so einfach. Die Nervosität noch nicht in den Griff bekommen…

Ich vertraue der Sache mit der Kappe noch nicht so recht, zupf, zupf…aber das sieht doch schon mal gesichtsmuskeltechnisch lockerer aus.

Kurz vor’m Start – na also, geht doch!

Km 13 – Voll im Laufrausch, begleitet von Ralf-Charly (578) und Toto (409), denen ich mich glücklicherweise angeschlossen habe.

Zieleinflug…den schnapp‘ ich mir!

Und weiterfliegen!

Die Damen habe ich auch noch eingesammelt:

3:56:27 h
Manu hat fertig! David und seine Oma gratulieren!

29.4.07 21:09
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Das Wunder von Duisburg
Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt. Der Sturm, 4. Akt, 1. Szene / Prospero, William Shakespeare Dieser Bericht müsste eigentlich märchenhaft beginnen mit „Es war einmal“.
Ich hatte einen Traum, der in den letzten 12 Jahren fast zu einem Trauma geworden war: Einmal, „Once in a Lifetime“ wollte ich einen Marathon unter 4 Stunden beenden.
Ich hatte die Chance schon einige Male verschenkt, dann mit diesem Thema zeitweise komplett abgeschlossen und das Kapitel Marathon seit 2003 nicht mehr aufgeschlagen.

In diesem Jahr wollte ich es noch einmal wissen, jetzt oder nie. Ich bereitete mich 12 Wochen lang gewissenhaft und systematisch vor und alles deutete darauf hin, dass es realistisch war, auf eine sub 4 zu spekulieren.
Alles, was ich dazu beitragen konnte, hatte ich getan – was nicht in meiner Macht stand, waren die äußeren Bedingungen.
Mit jedem neuen Sonnentag, mit jedem Blick in die Wetterprognosen schrumpfte mein Optimismus.
Nachdem Samstags klar war, dass der Sonntag zwar wolkenlos, aber weniger heiß werden würde als die letzte Woche, keimte das Pflänzchen Hoffnung wieder zaghaft auf.

Ich war bereit, alles für diesen Traum zu tun, sogar jedwede Eitelkeit über Bord zu werfen und das seit Jahren in die Schublade verbannte kurze Flatterhöschen, das zwar wenig attraktiv, dafür aber superbequem und luftig saß, anzuziehen.
Beim letzten langen Lauf hatte ich nämlich Probleme à la „Arsch frisst Hose“ (nämlich die Unterhose) gehabt, und sowas konnte mit der Flatterhose, die einen eingebauten Slip hat, nicht passieren. Außerdem hatte man in ihr maximale Beinfreiheit und Kühlung – also war mir egal, wie’s aussah.

Als ich mich um kurz nach 9 Uhr zwei Reihen vor den 4 Stunden Läufern aufstellte, fröstelte ich in heißem Höschen und dünnem Leibchen – puuh, es war richtig kühl und ein kalter Wind blies, der mir Gänsehaut an den Beinen bescherte.
Ich hatte den Pottie mit 4 Stunden und 18 min total merkwürdig gemixter Musik bestückt und verpulverte vor dem Startschuss schon mal das erste Stück, und zwar Summer Nights aus „Grease“ dargeboten von John Travolta & Olivia Newton-John.
Den Startschuss hörte ich nicht, aber die Horde setzte sich zügig in Bewegung, so dass ich nach einer Minute schon die Startlinie passierte. Jetzt war es also soweit, endlich!

Mit meinem Garmin habe ich wohl leider ein Montagsmodell erwischt, er bekam einfach keinen Empfang und nachdem ich wild darauf rumgedrückt hatte, gab es noch eine Schrecksekunde, als er wieder „Battery low“ anzeigte.
Ich stellte mich schon darauf ein, nach Gefühl laufen zu müssen, aber dann funktionierte das Ding wieder, allerdings ohne Satellitenempfang. Den hatte er dann erst bei Halbmarathon, aber bis dahin konnte ich ja manuell die Kilometer stoppen.
Plötzlich hörte ich trotz Musik im Ohr hinter mir ein „Da ist sie ja!“ – drehte mich um und freute mich, Ralf-Charly und Toto zu erblicken. Mensch, Ralf-Charly, das laufende Uhrwerk! Jetzt konnte ich den Kopf zumachen, die Mucke voll aufdrehen und einfach mitlaufen!
Ich war immer eine Fußlänge voraus, total unangestrengt und wäre ich allein gelaufen, hätte ich jetzt vielleicht zu viel Gas gegeben. Meine Laune wurde immer besser, ab und zu nervte ich die beiden mit ein paar Gesangseinlagen bzw. sagte das Stück an, das ich gerade hörte.
Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt phantastisch, noch schön kühl im Schatten, und die sonnigen Passagen warteten mit erfrischendem Gegenwind auf. Der Wind blies teilweise wirklich stark, aber ich mag das, jedenfalls dann, wenn ich noch bei Kräften bin.
Und an Kraft mangelte es zu diesem Zeitpunkt nicht. Wir pendelten uns bei 5:30 min/km ein, ein Tempo, das mir wie im Training vorkam und bei dem ich das Gefühl hatte, leicht gebremst zu laufen.
Die Stimmung an der Strecke war superklasse, und überhaupt hat der Duisburg-Marathon einige wirklich tolle Streckenabschnitte, der Innenhafen, die Ruhr, der Rhein, die Brücken – das tröstet über ein paar triste Passagen hinweg.
Ich genoss es, so unangestrengt die Party an der Strecke mitzuerleben, und mit jedem Kilometer, den ich in diesem Tempo zurücklegte, stieg mein Optimismus.
Ich hatte einen guten Tag erwischt heute, meine Taktik konnte nun nur sein, Kilometer zu fressen, solange es ging, und darauf zu hoffen, dass es lange ging!

Bei der Halbmarathonmarke ging es mir immer noch prächtig, aber Ralf-Charly wollte 10 sec Tempo rausnehmen. Ich überlegte kurz, ob ich das sicherheitshalber auch tun sollte, entschied mich dann aber, mit Toto weiterzulaufen. Schlecht gehen würde es mir hinterher sowieso noch, und je mehr Strecke ich bis dahin gemacht hatte, desto besser. Wir liefen jetzt wohl die schnellsten 10 km und überholten viele, viele, denen es schon merklich schlechter erging.
Die Rheinbrücke bei km 25, vor der mir gegraut hatte, weil ich sie als steil und in praller Sonne liegend in Erinnerung hatte, stellte kein Problem dar – wir liefen sie flott hoch.
Ab und zu erzählte ich Toto, dass ich gleich mal Tempo rausnehmen müsse, aber dann lief ich doch weiter im 5:20er Schnitt.
Bei km 30 erwartete ich eigentlich Stefan mit dem Tütchen Hammergel. Die erste Portion hatte ich bei km 13 genommen, die zweite bei Halbmarathon. Ich wollte dann eine kurze Gehpause machen und hielt das Tempo nur noch, weil ich mich darauf freute. Aber da stand niemand, also war nix mit Gehpause. Ich merkte aber nun, dass die Sonne mehr Kraft hatte und dass ich irgendwann einbrechen würde…aber noch war es nicht soweit.
Bei km 32 schickte ich Toto fort, denn er war gut drauf und ich lag so gut in der Zeit, dass ich die sub 4 Stunden weiterhin anpeilte. Er konnte also guten Gewissens sein eigenes Ding laufen. Mir war es sehr recht, die Qual der letzten Kilometer allein zu erdulden, ich mag es nicht, wenn man mir beim Leiden zuguckt 🙂
Aber noch litt ich nicht, ich wartete auf Kilometer 33, weil spätestens dort Stefan stehen würde – aber wieder nichts. Später erfuhr ich, dass der Bus, der Zuschauer von km 13 nach km 33 bringen sollte, sich verfahren hatte und er somit zu spät vor Ort war.

Eigentlich war es aber gut, dass er nicht dort stand, denn so verschob ich die ersehnte Gehpause bis km 35. Bis dahin hatte ich immer noch einen 5:30er bis 5:40er Schnitt gehabt, aber die Beine fühlten sich an wie Wackelpudding, keine Kraft mehr.

Noch 7 km und ich konnte mir fortan leisten, an den Wasserstellen zu gehen. Trotzdem traute ich der Sache nicht, lief mal einen Kilometer komplett durch um zu schauen, wie langsam ich war – aber Überraschung: 5:40 min. Der anschließende Kilometer mit Gehpause unter 7 min. Das würde reichen.
Km 38 – Sonne, Kraftlosigkeit, Erschöpfung – ich ging mitten auf der Strecke, verdammt, würde ich es jetzt doch noch vermasseln? Ich rief mir den Bericht über eine Bestzeit in Bonn in Erinnerung, den ich letztens bei drsl gelesen hatte, und einen bestimmten Satz hatte ich mir gemerkt, der sinngemäß so lautete, dass man nochmal so viele Kilometer so schnell laufen müsse, um wieder diese Chance zu haben.
Und ich dachte an die Hamburg-Marathonis, an die Daumendrücker, an Stefan und David und Oma & Opa im Ziel!
In dem Moment drückte mir ein unbekannter Läufer, wohl aus Mitleid mit mir armer, gehender Gestalt, eine angebrochene Flasche Redbull in die Hand. Das war ein Zeichen, ich trank sie leer und lief wieder.
Kilometer 40 und noch viel Zeit! Der km 41,195 wurde extra angezeigt, nur noch 1 km! Ich gönnte mir eine letzte, ganz kurze Gehpause und hörte schon die Stimmung im Ziel, sah das Stadion, sammelte Kraft für die letzten 950 Meter, die ich wie im Traum lief. Ich dachte, das ist es also, so fühlt sich das an – ich schaffe es! Im Stadion angelangt, legte ich einen ziemlich geilen Endspurt hin, ein Schnitt von 3:09 (auf 150 m;-), so läuft also die erweiterte Weltspitze die komplette Strecke durch, das fühlt sich richtig gut an!
Insgeheim hatte ich mir das gewünscht, brutto wie netto unter 4 Stunden zu bleiben, so als Sahnehäubchen, und selbst das war mit 3:57:31 h brutto gelungen. Nettozeit 3:56:27 h .
Meine HM Splits sagen über das Elend am Ende gar nichts aus, weil das mit 1:56:31 h und 1:59:56 h viel gleichmäßiger aussieht, als es eigentlich war. Leider gab es keine 5 km Zwischenzeiten, aber ich denke, der Abschnitt zwischen km 21 und 32 war der schnellste des Laufs, deswegen geben das die Splits nicht her.
Trotzdem, genau so musste es sein, hätte ich weniger Polster gehabt, wäre ich trotzdem durch die Wärme, die in der letzten Stunde doch mit Macht kam, an meine Grenzen gekommen. Ob ich dann noch richtig um Sekunden hätte kämpfen können? Ungewiss – ich weiß es nicht. Ich glaube, es war richtig so, wie ich es gemacht habe.
Fehlt eigentlich nur noch der Dank an alle, die mir Glück gewünscht, Selbstvertrauen und gute Ratschläge gegeben haben. Danke auch Ralf-Charly für das Bremsen bis zur Hälfte, Toto für’s Pacen bis km 32 und die Drohung, wehe, ich hätte keine 3 vorne stehen! Und ganz ausdrücklich möchte ich mich auch bei meiner Familie bedanken, die mich so toll unterstützt hat: Großer Sohn und große Tochter haben manches Mal Babysitterdienste geleistet, damit ich meine Läufe absolvieren konnte.
Und Stefan, Dir danke ich auch! Du hast mir vor 5 Jahren schon erzählt, dass ich es drauf hätte. Aber da habe ich Dich nur ausgelacht, Dir vorgeworfen, als Handballer ja keine Ahnung zu haben. Du hast Recht gehabt!

30.4.07 09:30

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Wir fuhren nach Madagaskar..nein, Berlin… und hatten die Pest an Bord….Vol.I …Do & Fr

Diesmal geht’s nicht kurz und knapp. Ich entschuldige mich schon mal eingangs für die ausufernde Länge dieses Aufsatzes. Ich muss weit ausholen…Am Donnerstag schienen sich meine Erkältung und die Magen-Darm-Grippe meines Ältesten gebessert zu haben, dafür gab der Jüngste Anlass zur Sorge. Bei ihm deutete alles auf mehr als einen leichten Schnupfen hin. Unser Kinderarzt befand sich in Urlaub, die Vertretungsärztin war eine von der ganz vorsichtigen Sorte und riet von der Berlintour ab. In dem Moment war ich mir sicher, nicht zu fahren – nicht, wenn es riskant für den Kleinen war.
Im Laufe des Tages überlegten wir hin und her, David machte einen munteren Eindruck, es waren keine Antibiotika verschrieben worden sondern nur harmlose Mittelchen gegen Husten, Schnupfen und vorsorglich für die Ohren.
Abends waren wir zu dem Entschluss gekommen, die Nacht abzuwarten und nur dann loszufahren, wenn diese ruhig verlaufen würde, David gut durchschlief und morgens fit zu sein schien.
Wir saßen also sozusagen auf gepackten Koffern und warteten ab.

Der Freitagmorgen graute nach einer ruhigen Nacht. David ging es sichtlich gut, also konnte es doch losgehen. Wir fuhren nach Berlin!
Den Wagen vollgeladen mit Tochter, Jüngstem und dem Kofferraum voll Gepäck an Bord, der Älteste blieb daheim, das Haus hüten, machten wir uns auf den langen und beschwerlichen Weg, durch etliche Staus, durch viel zähfließenden Verkehr, mit diversen Pausen an kindergerechten Raststätten, damit David ein bisschen Abwechslung hatte und nicht nur im Sitz hocken musste.
Stunde um Stunde verging, und als wir endlich in Berlin waren, staute sich alles an den Messehallen…die Nerven lagen blank.
Irgendwann waren wir also da, bezogen unser Apartment gegenüber der Rückseite des Hotels Adlon und waren für unsere erste Verabredung schon mal zu spät dran. Es war 17 Uhr, da wollten wir uns eigentlich schon mit Hase und Charly bei der Startnummernausgabe treffen. Das konnte man jetzt vergessen, also das erste Treffen canceln. War ja nicht ganz so schlimm, schließlich sollte am nächsten Tag lecker miteinander gegessen werden.
Nachdem dann die für 20 Uhr angedachte Verabredung mit Carsten auch nicht zustandekam, weil er an dem Tag wohl auch Stress gehabt hatte und es nicht so gut passte, überließen wir es der großen Schwester, ihr Brüderchen ins Bett zu bringen und fuhren kurz vor Toresschluss noch zur Messe. Gähnende Leere an der Startnummernausgabe um 20:45 Uhr, herrlich, nur schade, dass nun definitiv nur noch ein Viertelstündchen Zeit für einen „Bummel“ in den Messehallen blieb. Aber egal, Hauptsache, ich hatte die Startnummer!
Völlig geplättet fielen wir ins Bett, Söhnchen in der Mitte, aber viel Erholung war uns nicht gegönnt, weil sich David gegen 1 Uhr zum ersten Mal übergeben musste, natürlich schön über die Laken, den eigenen Schlafanzug – kurzum, die Nacht war zu Ende, verging mit Saubermachen, Umkleiden, Bettbeziehen und Warten auf die nächste Ladung, um rechtzeitig das Schüsselchen drunterzuhalten. Noch zweimal musste der arme Zwerg sich übergeben, dann schlief er ein und auch wir konnten noch ein Stündchen ruhen.

Der Samstagmorgen graute.

…to be continued…

2.10.07 11:36

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Wir fuhren nach Madagaskar..nein, Berlin… und hatten die Pest an Bord…Vol.II Samstag

Wo war ich stehengeblieben…genau, beim Samstagmorgengrauen.Den Frühstückslauf vom Schloss Charlottenburg zum Olympiastadion, den ich evtl. hatte mitmachen wollen, konnte ich also auch abhaken. Das fand ich nicht so schlimm, zumal ich in aller Herrgottsfrühe ohne Aufwand von der Haustür aus eine kleine Runde zwecks Streckenbesichtigung locker traben konnte – Richtung Start durch den Park, dann Richtung Ziel, am Brandenburger Tor vorbei und nochmal durch den Park. So war ich nach einer halben Stunde wieder zurück, um mich um mein krankes Kind zu kümmern, damit Soni und Stefan auch mal ein bisschen auf Berlin-Sightseeing-Tour gehen konnten.
Ich machte es mir mit David also im Apartment bequem und merkte, wie es ihm stündlich besser ging. Er hatte wieder etwas Appetit und musste nicht mehr spucken. Allerdings war jetzt Durchfall angesagt – also hatte mein Ältester wohl doch seinen Magen-Darm-Virus weitergereicht. Ich horchte in mich hinein, ob bei mir auch schon was im Gedärm grummelte – aber nein, dort herrschte Ruhe. Dafür änderte mein Schnupfen seine Konsistenz von klar auf gelblich-grünlich-eklig-zäh.
Nicht gut, das. Aber mal abwarten. Fieber hatte ich nicht, allerdings fühlte ich mich aufgrund des Schlafmangels wie durch den Fleischwolf gedreht. Wie war das noch mal, die vorletzte Nacht vor dem Marathon ist die wichtigste? Das war dann wohl nichts gewesen.
Nachmittags waren wir bei meinem Bruder zum Kaffeetrinken eingeladen. Da wir nicht zur Gattung der Achim Achilles’schen Marathon-Schnorrer zählen wollten, hatten wir darauf verzichtet, uns drei Tage mit Kind und Kegel bei ihm einzuquartieren.
Mein Bruder wohnt in Neukölln, und wir fuhren wegen des schlechten Wetters mit dem Auto dorthin, was im weiteren Verlauf leider die lang geschmiedeten Essenspläne zunichte machen sollte.
Zunächst mal aber saßen wir gemütlich in Toms Altbauwohnung, aßen Kuchen, tranken Kaffee und überlegten, das Auto bei ihm stehen zu lassen um doch mit der U-Bahn zum nächsten Treffpunkt zu fahren. So wie nämlich alle Wege nach Rom führen, führte umgekehrt kein Weg über den Kottbusser Damm, zumindestens für kein Auto, weil wegen des Inline-Marathons alles gesperrt war…
Justament als wir den Weg zur nächsten U-Bahn Station antreten wollten, begann es wie aus Eimern zu schütten – das konnten wir nicht riskieren, da mit dem erkälteten David, von meiner Rotznase mal ganz abgesehen, durch dies Wetter zu marschieren. Irgendwie würde es doch einen verdammten Alternativweg geben, wenn wir das Ganze weitläufig umfahren würden…aber es gab keinen.
Die Situation war absurd – wir konnten bis 1000 m Fußweg zwar rankommen, aber da es weiterhin so stark regnete, wollte ich auf keinen Fall mit David auf dem Arm durch den Regen. Den Kinderwagen mit dichtem Verdeck hatten wir nicht im Kofferraum, sondern im Apartment vergessen.
Nun wurden hektische Telefonate geführt, mit Hase und Charly, die sagten, Uli sei auch noch nicht da, und mit Carsten, der noch versuchte, uns irgendwie zu helfen, aber uns war nicht mehr zu helfen. Das Ganze endete dann damit, dass Carsten sich auf sein Rad schwang und uns last minute zu einem Mexikaner in der Nähe lotste, wo wir endlich doch noch was Warmes zu essen bekamen und so wenigstens das Freitag ausgefallene Treffen nachholen konnten, wenn auch in reichlich angeschlagenem Zustand, so körperlich und nervlich abgewrackt wie ich mich fühlte.
Berlins Rotphasen an den Ampeln sind lang, endlos lang, das merkten wir auf der Rückfahrt in die Apartments wieder ganz extrem. David nickte schon im Auto ein und ich hoffte, dass er sich nun endgültig gesund schlafen würde, als ich ihn ins Bett legte. Für mich hoffte ich das auch, denn jetzt fühlte ich mich endlich so richtig krank, hatte die Befürchtung, dass dies eklige Magen-Darm-Virus schon in mir rumorte. Und selbst wenn nicht – die Erkältung wr eindeutig kein harmloser kleiner Schnupfen mehr. So überlegte ich die Nacht hin und her, ja, nein, doch, lieber nicht, aber, wenn…kein wohltuender Schlaf riss mich gnädig aus dieser Misere.
Irgendwann müssen mir dann wohl doch die Augen zugefallen sein, jedenfalls war es plötzlich 5:55 Uhr, David zupfte quietschfidel und fröhlich an mir herum und der Sonntagmorgen graute.

2.10.07 12:47

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Wir fuhren nach Madagaskar..nein, Berlin… und hatten die Pest an Bord…Vol.III Sonntag

Sonntagmorgengrauen, Marathontag, der Tag, wegen dem wir alle diese Strapazen hauptsächlich auf uns genommen hatten, brach an.
Mein Zustand hatte sich nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert. Ich fühlte mich nicht gerade wie das blühende Leben, aber die Müdigkeit war verschwunden und einem dezenten, aber deutlich spürbaren Kribbeln gewichen.
Mensch, jetzt waren wir nun mal in Berlin, sollte ich wirklich nicht starten?
Ich brühte erstmal Kaffee auf, überlegte, was anzuziehen wäre, wenn ich denn doch starten würde, befestigte die Startnummer am Trikot und schaute immer wieder aus dem Fenster. Trotz der frühen Stunde war schon mächtig was los. Im Adlon brachten sie den roten Teppich und irgendeinen Pavillon in Sicherheit und etwas weiter die Straße hoch, hinter dem Holocaust-Mahnmal, pilgerten tatsächlich schon die ersten Läufer in Richtung Startbereich.
Na klar, ich würde starten, aber ich wusste, dass es nichts werden würde mit dem geplanten Genusslauf mit angezogener Bremse. Ein hartes Stück Arbeit lag vor mir, das ich aber jetzt endgültig bewältigen wollte, und zwar nach Möglichkeit ohne damit meine Gesundheit zu ruinieren.
Ausgerüstet mit genügend Papiertaschentüchern, zwei Geltütchen und ein paar Salzstangen reihte ich mich kurz nach 8 Uhr ein in die nichtendenwollende Schar der Läufer.Orientierungslos ließ ich mich einfach treiben, fand auch das verabredete Sanizelt nicht, an dem möglicherweise nun auch Uli, Hase und Charly standen und warteten – ich wäre auch überrascht gewesen, wenn in dieser Hinsicht mal was geklappt hätte. Langsam, aber sicher, mit regelmäßigen Zwischenstopps an den reíchlich vorhandenen Dixieklos gelangte ich zum richtigen Startblock, genau richtig, ca 5 min vor dem Startschuss.
In diesen fünf Minuten kam tatsächlich eine sehr feierliche Stimmung auf, als die Hubschrauber über uns kreisten, die La-Ola-Welle unseren Block erreichte und die Luftballons aufstiegen. Jetzt waren die da vorne schon auf dem Weg!
Wir rückten zentimeterweise etwa 13 min lang vor, bis das Piepsen auf den Matten uns signalisierte, dass es jetzt ernst wurde und der Marathon begonnen hatte.
Jetzt erst bemerkte ich den 4 Stunden Zugläufer mit Schottenrock und Baskenmütze, der mit seinen Schäfchen wohl ein kleines Stück weiter hinten gestanden hatte und sich und der Schafherde mit dem Ruf „Ich bin Arzt, lasst mich durch“ eine Weg bahnte. Den Kerl musste ich nun unbedingt ziehen lassen, keinen Gedanken an sub 4 verschwenden.
Ohne Bedauern sah ich den Luftballons hinterher, behielt sie aber doch noch lange im Blick. Irgendwann waren sie aber verschwunden, und ich lief 21 Kilometer lang ziemlich gleichmäßig in einem Tempo, das ich als angenehm empfand. Die Halbmarathonmarke passierte ich bei 2:02:14 h. Ich dachte, jetzt läuft Haile vielleicht schon gleich ins Ziel, ist schon kurz vorm Brandenburger Tor – aber dann fiel mir ein, dass ich ja in Bruttozeit rechnen musste, also war er schon längst fertig!
Ab und zu merkte ich, dass ich nicht topfit war. Dann pushten mich aber immer mal wieder kurzfristig schöne Momente an der Strecke. Ich fand es schon beeindruckend und toll, in Berlin zu laufen, aber es war nicht der Tag, die Sache richtig zu genießen. Ich wollte einfach nur den Wilden Eber erreichen, der musste doch jetzt bald kommen. Tja, und nach dem Eber kamen die ersten Anzeichen für meine späteren Beschwerden, die ich aber noch nicht richtig deuten konnte.
Ich bekam Krämpfe in den Zehen! Lachhaft, in den Zehen! Die großen Zehen versuchten sich in die Gegenrichtung abzuspreizen, was sich in den DS-Trainern natürlich äußerst fies anfühlte. Vorübergehend musste ich wirklich auf den Hacken humpeln, über die Zehen abrollen war unmöglich. So erreichte ich den nächsten Verpflegungsstand, etwa bei Kilometer 30 und ging ein paar Schritte, um die Füße wieder unter Kontrolle zu bringen.
Als ich wieder anlaufen wollte, haute es mich fast um: Das waren sie also, die berühmten Wadenkrämpfe, die ich noch nie, bei keinem meiner Läufe, weder bei Marathons noch beim Training oder bei anderen Wettkämpfen gehabt hatte und die ich nur vom Hörensagen kannte! Und ich gestehe, ich habe manchmal gedacht, dass sich die Leute mit ihren Krämpfen doch wohl etwas anstellen, das konnte doch nicht so schlimm sein! Nun bekam ich knüppelhart die Strafe für diese jahrelange krasse Fehleinschätzung. Ich konnte nicht mehr laufen, gar nicht mehr, es tat so weh, die Waden, teilweise auch die Oberschenkel, waren steinhart.
Dann, wie durch ein Wunder, gelang nach mehreren vergeblichen Versuchen das Anlaufen, und es war tatsächlich möglich, relativ normal weiterzulaufen.
Irgendwie fand ich das Ganze fast schon wieder komisch: Da war meine größte Befürchtung gewesen, zu schnell zu laufen und meine Erkältung dadurch so richtig zu verschlimmern, und nun hatten mir die Beine einen Riegel davorgeschoben. Ich hätte geschworen, mein größtes Handicap bei diesem Marathon sei die angeschlagene Gesundheit, und nun fühlte ich mich in dieser Hinsicht ganz gut, dafür ließen mich die Beine im Stich.
Nun war mir die Zielzeit komplett egal, ich war froh und dankbar, dass ich nicht sämtliche letzten Kilometer gehen musste! Ich lief, zwar langsam und ab und zu immer mal wieder mit dem Gefühl, dass sich da wieder was anbahnte – aber dann ging ich ein paar Schritte und versuchte, rechtzeitig etwas zu dehnen, bevor sich wieder alles verhärtete.
Ich sehnte das Ziel herbei, die Linden, das Brandenburger Tor, ich dachte urplötzlich an Greenie und ihre hübschen „Scheiß die Wand an“ – Sprüche. Damit feuerte ich mich jetzt an, indem ich ununterbrochen dachte, Scheiß die Wand an, wann kommen denn endlich diese beschissenen Linden und dieses dreimal beschissene Tor und dieses noch beschissenere Ziel?
Ja, und endlich war es dann da, ich lief durch das Brandenburger Tor, drückte die Stoppuhr nach 4:23:03 h und war eine Berlin-Finisherin.
Wieder ließ ich mich mit der Menge treiben, in Richtung Medaillen- und Wärmefolienausgabe, dann zu den Verpflegungsbeuteln. Dort haute es mich dann förmlich um, gleichzeitiger Krampf in beiden Beinen, beginnend von den Waden bis zum Oberschenkel – ich hatte keine Kontrolle mehr, das war ein furchtbares Gefühl. Ich torkelte und kippte und konnte mich gerade noch an einem Läufer festhalten. Ein anderer bestellte die Sanis mit einer Bahre, aber da ging es schon wieder, und ich wollte nur in die warme Wanne, bloß nicht noch ins Sanizelt. Also, erhob ich mich und trottete langsam Richtung Familiensammelstelle. Dort sah ich aber am verabredeten Platz niemanden, wollte nun ganz, ganz dringend dieser Menschenmenge entfliehen und geriet in noch größeres Gedränge, als ich im Pulk zum Durchlass am Brandenburger Tor eingekeilt wurde. Weil nichts voran ging, sackte mein Kreislauf ab, mir wurde schlecht und schwarz vor den Augen, aber zum Glück wurden wir in diesem Moment durchgelassen. Bis zum Apartment waren es ja nur ein paar Meter, ich holte mir den Schlüssel, ließ mir ein heißes Bad ein, rief die Familie an um zu sagen, dass ich in der Wanne saß und war froh, dass es vorbei war!

2.10.07 17:05

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Wir fuhren nach Madagaskar..nein, Berlin… und hatten die Pest an Bord…Vol.IV Montag

Und wieder graute ein neuer Morgen, der Montagmorgen, auch für mich – ich hatte es überlebt, alles wieder haile!
Das heiße Bad, dem ich am Sonntag nur widerwillig entstiegen war, hatte mich wohlig durchgewärmt und die Lebensgeister waren zurückgekehrt. Ach, wie schön war es gewesen, sich gemütlich vom Bett aus die Aufzeichnung anzuschauen. Noch schöner, dass auch David Spaß am Marathon gehabt und vor allem die Handbiker frenetisch angefeuert hatte.
So hatten wir den Tag noch gemütlich in einem nahe gelegenen Steakhouse ausklingen lassen können.Nun musste schon gepackt werden, aber bevor wir uns auf die lange Rückreise begaben, wollten wir meiner Tochter wenigstens noch eine kleine Shoppingtour ermöglichen. Wir fuhren also ins neue Alexa am Alexanderplatz und hielten uns dort noch bis mittags auf.
Dann ging es aber wirklich zurück in die Heimat. Aus Berlin herauszukommen und endlich die A10 zu verlassen dauerte wieder lange, Staus und dichter Verkehr verfolgten uns auf dieser Berlinreise weiterhin.
Aber sobald wir die A2 erreicht hatten, ging es zügig und flüssig voran. David hielt einen langen Mittagsschlaf, und als er aufwachte, hatten wir schon fast die Raststätte Garbsen erreicht, an der wir sowieso eine Pause einlegen wollten.
Der Rest war nur noch ein Klacks, aber leider wurde es meiner Tochter schwummerig. Kreidebleich saß sie da, und genau in dem Moment, als wir vor der Haustür anhielten, kam die bereitgelegte Tüte zum Einsatz. Nun hatte der Magen-Darm-Virus auch sie erwischt, aber wir waren zuhause, sie konnte sich ins Bett legen.

Nun ist er also Geschichte, mein lang geplanter Berlin-Marathon. Ich fühle mich wieder fast gesund, zumindestens aber nicht schlechter als vor dem Marathon. Meine Stimme hat vorübergehend etwas gelitten, es reichte zeitweise nur noch zum Krächzen, aber auch das hat sich fast wieder normalisiert.

War es das wert, hat Oli gefragt. Ganz schwer zu sagen – wenn man im Voraus detailliert gewusst hätte, was passieren würde, dann wäre ich wohl hübsch mit dem Hintern daheim geblieben und hätte glücklich und zufrieden ARD eingeschaltet.

Aber ich hätte es ja nicht gewusst, wenn ich zuhause geblieben wäre. Ich hätte unglücklich vor dem Fernseher gehockt und es unheimlich bedauert, nicht in Berlin zu sein.

Also, irgendwie war es das wert. Und wir haben schöne Fotos von Haile und Gete, und ich war bei einem Welt“rekord“ dabei. Gebrochen hätte David auch bei uns zuhause, dann wahrscheinlich in unser Bett, da hätte ich sogar noch Wäsche waschen müssen! Und wie das immer so ist – der Schmerz vergeht, der Stolz (oder ich nenne es lieber Zufriedenheit, es geschafft zu haben) bleibt.

3.10.07 11:43

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